Was stiehlst du dir selbst?

In diesem Blogbeitrag bewältigen wir die nächste Stufe auf dem Yoga Weg:

ASTEYA - Begierdelosigkeit

 

Wir beantworten wichtige Fragen wie:

Genießt du oder besitzt du?
Was stiehlst du dir selbst?
Wie großzügig bist du?
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Was bedeutet "Asteya"?

Das Sanskritwort "Steya" bedeutet so viel wie Verlangen – somit bezieht sich "Asteya" auf die Abwesenheit davon. Wie bei anderen Begriffen aus der Yogaphilosophie, kann man auch Asteya auf verschiedene Weise auslegen.

 

Deshalb möchte ich mir den Begriff Asteya mit dir auf 3 Ebenen anschauen:

  1. In der Bedeutung von Begierdelosigkeit – oder auch „Abwesenheit von Verlangen“.
  2. In der Bedeutung von Großzügigkeit
  3. In der Bedeutung von Nichtstehlen 

Begierdelosigkeit

Wenn du den Begriff Begierde oder Verlangen hörst – was kommt dir als erstes in den Sinn? Das neueste Iphone, der teure Porsche oder

das schicke Kleid aus der Auslage? Nein – du hast an etwas anderes gedacht? 

Aaahhh –  ich weiß schon… Dieses Thema besprechen wir bei der Stufe "Brachmacharya – Enthaltsamkeit"...

 

Begierde in Zusammenhang mit Asteya bezieht sich auf unseren Wunsch bestimmte Dinge zu besitzen: die neueste Technik, die teure Kleidung, ein großes Auto und die Frage warum wir das brauchen oder woher dieses Bedürfnis kommt.

Kommt es daher, dass wir mithalten wollen? Wenn alle Kollegen das neueste Handy haben, wollen wir mitreden können? Wenn der Nachbar mit dem dicken Porsche vorfährt, finden wir unser Auto plötzlich ungenügend? Wenn die Freundin ihr schönes Kleid trägt, finden wir unseres schäbig?

 

Woher kommt das Bedürfnis immer mehr, immer das Neueste und das Beste haben zu wollen? Weil wir es uns leisten können? Weil es die anderen auch haben? Weil es uns zusteht?

 

Überlege kurz was du dir gerade sehr wünschst. Worauf sparst du vielleicht gerade? Womit belohnst du dich für deinen Einsatz in der Arbeit?

 

Gemäß Patanjali führt Begierde und Besitz zu Verlustangst, zu Misstrauen, Neid, Unsicherheit, Zweifel und Sorge, Verschuldung und Stress. Wenn wir jetzt bedenken, dass sich Patanjali bereits vor 2500 Jahren mit dem Thema Begierde auseinandergesetzt hat, können wir nicht einmal unsere heutige konsumorientierte Welt dafür verantwortlich machen. Es scheint in unseren Genen zu stecken.

 

Viele Menschen glauben, durch Anhäufen von Besitz und Geld Sicherheit zu schaffen. Wobei das Gegenteil der Fall ist. Je mehr wir besitzen, desto mehr können wir verlieren. Je mehr wir haben wollen, desto härter müssen wir dafür arbeiten, desto weniger Zeit haben wir uns um unser Wohlergehen und unsere Familie zu kümmern.

 

Ich hatte in meinem früheren Berufsleben ein Dienstauto. Wenn es beschädigt oder gestohlen worden wäre, war das kein Drama, ich

hätte einfach ein neues bekommen. Autos waren für mich immer Gebrauchsgegenstände auf die man mehr oder weniger gut geachtet hat. Nachdem ich das Dienstverhältnis beendet habe, bin ich dann mit dem uralten Familienauto gefahren. Das war damals ein kleiner Peugeot 205 – ohne Servolenkung, Klimaanlage und sonstigen Schnickschnack, mit ein paar Beulen und Kratzern.  Hatte ich Angst dieses Auto zu verlieren? Eher nicht. Aber dann habe ich mir ein neues Auto gekauft. Nichts aufregendes. Wieder ein Peugeot, diesmal größer mit guter Ausstattung. Und plötzlich war es mir sehr wohl wichtig wo ich mein Auto parke. Plötzlich habe ich drei Mal geschaut ob ich zugesperrt habe und plötzlich hatte ich auch mehr als ein Mal pro Jahr das Bedürfnis es zu putzen. Ich hatte plötzlich Angst dieses Auto zu verlieren. Nun stellte dieses Auto keinen großen Vermögenswert dar, und trotzdem hat es mich beschäftigt und irgendwie auch gebunden. Das Auto selbst hat mir keine Sicherheit gegeben, aber die Angst den Wertbetrag zu verlieren hat mich Energie gekostet.

 

Überlege einmal was du besitzt und ob es dir Sicherheit gibt.

Bei welchen Dingen hast du Sorge sie zu verlieren? Ist es dir diese Sorge wert?

Warum eine Reise glücklicher macht als ein Haus

Wenn wir uns zu sehr damit beschäftigen was wir haben oder was wir haben wollen, verpassen wir oft, das was wir schon besitzen zu genießen.

 

Erinnerst du dich noch als du das erste Mal mit deinem neuen Auto gefahren bist? Wie gut es gerochen hat? Wie schön sauber es war? Wie du die Fahrt genossen hast? Und wie ist es heute?

Falls du kein Auto hast – das gilt für alles was wir neu haben und worüber wir uns freuen. Beobachte das nächste Mal wie lange diese Freude anhält.

 

Gemäß Glücksforschungsstudien ist es besser Geld in Erlebnisse zu investieren als in ein neues Haus. An einen Urlaub

erinnern wir uns immer mit Freude und oft schmücken wir diesen im Nachhinein noch mit schönen Geschichten aus und machen ihn dadurch noch bemerkenswerter. Negative Vorkommnisse sind höchstens noch amüsante Episoden. An ein neues Haus hingegen haben wir uns bald gewöhnt und sehen nur mehr die Arbeit und die laufenden Kosten.

 

Wenn wir zu sehr nach Dingen streben, widerspricht das dem Geist von Yoga und Achtsamkeit. Denn wenn ich nach etwas strebe bin ich im Außen. Durch Yoga und Meditation bin ich bei mir und erkenne wie wenig ich wirklich brauche. Ich sehe das Wesentliche.

 

Was brauchst du eigentlich zum Leben? In Wirklichkeit ein Dach über dem Kopf, Kleidung und Essen. Das soll nicht bedeuten, dass wir nichts mehr besitzen sollen – ganz im Gegenteil. Ich gehe Mal davon aus, dass du, wenn du diesen Blogbeitrag liest, das große Glück hast nicht darüber nachdenken zu müssen wo du heute etwas zu essen herbekommst. Und darüber solltest du froh sein und es genießen. Asteya heißt nicht, nichts zu wollen und sich nichts zu gönnen – sondern vielmehr das was wir haben von ganzem Herzen zu genießen und uns darüber zu freuen.

Warum brauchst du neue Dinge?

Es ist wichtig, dir bewusst zu machen, warum du denn den neuen Fernseher, das neue Auto, die tolle Reise brauchst. Weil es dein

Herzenswunsch ist? Oder weil du dadurch Anerkennung, Status und Zuneigung bekommst? Was versuchst du mit Dingen und Wünschen zu kompensieren?

  • Leere?
  • Einsamkeit?
  • fehlenden Selbstwert?

Asteya will dabei helfen den inneren Reichtum zu erkennen und uns öfter zu fragen: genieße ich meinen Reichtum – oder besitze

ich nur? Es kann uns helfen zu erkennen, dass es schön ist Dinge in unserem Leben zu haben, so lange sie da sind und dass es auch ok ist wenn sie es nicht mehr sind.

 

Das Ziel ist es, frei von Begierde und Neid im Hier und Jetzt alles was wir haben zu genießen.

Großzügigkeit

Denn dann kann man den zweiten Bereich von Asteya leben: Großzügigkeit.

 

Was bedeutet Großzügigkeit für dich?

 

Bei Großzügigkeit denkst du vielleicht zunächst an materielle Dinge: Geld, Geschenke, Spenden… und sagst: "aber ich habe ja selbst nicht so viel um noch geben zu können". Wirklich nicht? Großzügigkeit muss nicht immer Geld bedeuten. Vielleicht könntest du heute großzügig Komplimente verteilen. Oder nette Worte, Zeit und Aufmerksamkeit und vielleicht sogar… Liebe. Bedingungslos – ohne etwas zurück

zu verlangen.

 

Überlege einmal in welchen Bereichen du großzügig bist oder vielleicht sein kannst.

Nicht-stehlen

Der letzte Bereich, den ich mir mit dir heute anschauen möchte ist die Bedeutung von "Nicht-Stehlen".

"Ha" – denkst du jetzt vielleicht – "also da bin ich auf der sicheren Seite!"

Wirklich? Ganz sicher?

Noch nie am Sonntag die Zeitung mitgenommen und kein Kleingeld hineingeworfen? Immer die Parkgebühr bezahlt? Immer Bescheid gegeben wenn sich der Kellner verrechnet hat?

 

"Ja, natürlich!"

 

Wunderbar – dann bist du schon einen guten Schritt weiter! Aber hast du vielleicht schon Mal jemandem die Zeit gestohlen weil du unpünktlich warst? "Hmmmm naja, das zählt ja nicht…"

 

Nicht-Stehlen bedeutet, nichts zu nehmen was dir nicht freiwillig angeboten wird. Und das umfasst auch Zeit, Aufmerksamkeit, Energie

und Liebe. Wie oft verlangen wir von unserem Partner oder unserer Familie Aufmerksamkeit und Liebe ohne dass diese gerade bereit sind sie zu geben? Und wie oft führt das zu Konflikten? Tust du das hin und wieder? Oder machen es andere mit dir? 

 

Und ab und zu bestehlen wir uns auch selbst. Wenn wir aus Angst nicht gut genug zu sein das neue Jobangebot nicht annehmen. Wenn wir aus Angst zu dick zu sein nicht im Bikini an den Strand gehen. Weil wir aus Angst abzustürzen nicht mit dem Flugzeug auf eine schöne Insel fliegen.

 

Wenn wir unseren Ängsten nachgeben bestehlen wir uns selbst – wir nehmen uns Möglichkeiten und sabotieren uns selbst.

 

Was stiehlst du dir?

 

Das war ein sehr Fragen-intensiver Beitrag...Vielleicht habe ich dir ein paar Denkanstöße gegeben.

Falls du möchtest: hier ein paar Anregungen zum Nachdenken:

 

  1. Was stiehlst du durch deine Gedanken und Ängste deinem Leben?
  2. Forderst du oft Aufmerksamkeit und Zuneigung von anderen ein oder wartest du, dass sie dir ohne Aufforderung gegeben wird?
  3. Beobachte dein Umfeld. Erwarten Partner / Freunde / Familienmitglieder Aufmerksamkeit und Liebe von dir wenn du nicht bereit bist sie zu geben? Was löst das bei dir aus und wie reagierst du?
  4. Was möchtest du unbedingt haben? Warum?
  5. In welchen Bereichen bist du großzügig und in welchen nicht?

 

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Bis zum nächsten Mal!

 

Alles Liebe, Namaste

Angelika

Deine Karma-Queen in spe