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Berührt werden

 

Vor kurzem habe ich eine Dokumentation über den Beruf der Sexualassistenten gesehen und das hat mich sehr berührt und beschäftigt. Vor allem das Wort „berührt“ bekommt eine besondere Bedeutung.

 

Diese Dokumentation hat mir vor allem gezeigt, dass wir Menschen alle das Bedürfnis nach Nähe und Intimität haben, was im Grunde der Kern von Sexualität ist. Aber wie oft wird man dabei tatsächlich berührt? Nicht physisch, sondern mit dem ganzen Sein.

 

Wie oft verpassen wir die Momente der Berührung, weil wir uns Sorgen machen, dass wir dem anderen gefallen und ob wir gut genug sind? Und wie oft haben wir uns die Chance auf Berührung genommen, weil der oder die andere physisch nicht den eigenen Phantasievorstellungen entsprochen hat und wir ihn oder sie gar nicht näher kennengelernt haben?

 

Als ein junger Mann erzählte, dass er drei Monate sparen muss um sich ein paar Stunden der Berührung leisten zu können, habe ich geweint. Denn wie selbstverständlich nehmen wir es, uns jederzeit diese Nähe holen zu können – auch wenn wir es nicht tun. Wie oft verpassen wir es in der Partnerschaft uns liebevoll zu berühren, weil der Alltag zu viel Energie kostet oder weil der oder die andere sich gerade nicht so verhält wie man es erwartet.

 

Wann hast du das letzte Mal deinem Partner, deiner Partnerin im Vorbeigehen liebevoll über den Arm gestreichelt? Einen Kuss gegeben, einfach so, ohne es als Vorspiel zu betrachten?

 

Gerade jetzt im Moment merken wir, wie wertvoll Berührung ist, wenn es heißt wir müssen sie vermeiden. Es fällt mir jedes Mal unheimlich schwer, meinen Freundinnen nur auf die Distanz ein Busserl zuzuschicken und sie nicht fest an mich zu drücken, wenn wir uns sehen.

Aber wenn die körperliche Berührung fehlt, können wir lernen uns auf einer geistigen und seelischen Ebene zu berühren. Durch liebevolle Gespräche, Aufmerksamkeit, Zuwendung, Interesse. Und wenn wir dies dann mit der körperlichen Berührung verbinden können, dann wäre das die Art der neuen Normalität, die ich mir für uns alle wünschen würde.

 

Wie siehst du das?

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