· 

Von Komfortzonen, Sehnsüchten und Möglichkeiten

Wie immer zum Hören & Lesen!


raus aus der Komfortzone

Haben dich die letzten Wochen auch ein wenig aus der Komfortzone geschubst? So ein ganz kleines bisschen? Oder vielleicht sogar ziemlich viel? Also bei mir war es sehr gemischt: beruflich hat es mich nicht nur aus der Komfortzone geworfen, sondern mich gleich aus dem ganzen Haus und hinter mir die Tür zugesperrt und verbarrikadiert. OK, das ist vielleicht jetzt ein bisschen sehr dramatisch, aber so hat es sich angefühlt. Von heute auf morgen waren alle mühsam erarbeiteten Aufträge weg. Ohne Vorwarnung. Ohne Ersatz. Nun bin ich da ja bei weitem nicht die einzige, das ist mir schon klar – aber wie schon Ally McBeal sagte:

„Meine Probleme sind die schlimmsten – denn es sind meine.“

 


einfach Mal nichts tun

Da saß ich nun, ohne Aufträge und mit ganz viel Zeit. Und weißt du was? Nachdem der erste Schock weg war habe ich mich sogar ein klitzekleines bisschen gefreut über die freie Zeit. Denn wann hast du denn schon einmal die Gelegenheit einfach nur zu Hause zu bleiben, herumgammeln und lesen – ohne schlechtes Gewissen? Ich meistens nur wenn ich krank bin. Also habe ich es mir so richtig gemütlich gemacht. Einmal nirgends hin müssen. Keine Projekte überlegen. Einfach nur sein. Herrlich!

 

Zugegeben, ich dachte damals die ganze Geschichte dauert 2, vielleicht 3 Wochen… - sonst wäre ich vielleicht ein bisschen unentspannter gewesen. Aber je länger die Zeit gedauert hat, desto mehr habe ich erkannt, dass mein Quarantäne Privatleben ohnehin nicht so weit von meinem realen Leben entfernt ist. Ich verbringe die meiste Zeit alleine. Ich lese, wenn ich kann, ein Buch pro Tag. Ich koche gerne für mich. Ich spaziere täglich alleine durch mein Viertel oder den Wienerwald. Aber es gab auch positive Veränderungen: ich hatte paradoxerweise mehr Kontakt zu meiner Familie also sonst – nur eben per Telefon. Früher hatten wir uns nicht so viel Zeit zum Plaudern genommen und interessanterweise hatten wir uns in dieser Zeit immer etwas zu erzählen. Mit der Zeit entdeckte ich  meine alten Leidenschaften wieder: das Schreiben von Geschichten und das Zeichnen. Und, auch wenn mir meine Yogaschüler fehlen merke ich, dass es mir sehr gut tut nicht ständig von Stunde zu Stunde und von Ort zur Ort unterwegs sein zu müssen

 

In welches Leben willst du zurück?

Da nun immer von der neuen Normalität gesprochen wird, stellt sich mir die Frage:

In welche Normalität will ich zurück? Welches Leben macht mich eigentlich glücklich?

Hast du dir die Frage auch gestellt?

 

Vielleicht sagst du jetzt: „Um Gottes Willen, mit Kindern, Kurzarbeit und einem Mann der zu Hause Home Office macht, bin ich froh, wenn ich Mal in Ruhe alleine aufs Klo gehen kann – wer hat da schon Zeit sich über ein glückliches Leben Gedanken zu machen?“. Das kann ich gut verstehen. Vielleicht muss man gar nicht drüber nachdenken, vielleicht einfach nur auf die kleinen Wünsche achten, die sich immer wieder melden. Meine Schwester meinte zum Beispiel, sie freut sich schon darauf wieder Zeit zum Nähen zu haben. Eine Freundin hat besonders das Essen in Lokalen vermisst, da es für sie Luxus bedeutet.

 

  • Was hast du in der Zeit vermisst?
  • Und was hast du gar nicht vermisst?
  • Mit wem hast du Kontakt gehalten und bei wem warst du eigentlich ziemlich froh, dass du ihn oder sie nicht sehen durftest?

 

Ich habe von vielen Leuten gehört, dass sie dieses „Nicht-Treffen-Dürfen“ eigentlich sehr genossen haben. Die meisten haben das sehr verschämt und leise gesagt – denn man darf ja nicht zugeben, wenn man eigentlich ganz froh ist, am Sonntag nicht immer bei der Schwiegermutter sitzen zu müssen. Wie oft treffen wir Menschen aus Gewohnheit? Bei uns war es früher immer ganz klar, dass sich die ganze Familie am Sonntag zum Kaffee bei meinen Großeltern traf. Ich habe das als Kind auch sehr genossen, denn ich mag meine große turbulente Familie. Irgendwie war es unvorstellbar, dass dies einmal nicht mehr sein würde. Aber als ich älter wurde, habe ich gemerkt, dass dadurch der Platz für das eigene Leben fehlt. Dass man sich eigentlich gar nicht jede Woche so viel zu sagen hat. Ist es nicht schöner, sich zu treffen, weil man das Bedürfnis dazu hat, und nicht weil es immer schon so gemacht wurde?

Unsere Sehnsüchte sind unsere MÖglichkeiten

Einer meiner Lieblingssprüche lautet: „Unsere Sehnsüchte sind unsere Möglichkeiten“.

Welche Sehnsucht hat sich denn bei dir in den letzten Wochen gemeldet? Falls es die Sehnsucht war, eine Prinzessin mit vielen Dienern in einem großen aufgeräumten Schloss zu sein, wird sich das vielleicht nicht 1:1 umsetzen lassen, aber Teile davon… (aufgeräumte Wohnung & Frühstück ans Bett vom Liebsten vielleicht? Quasi die Light-Version…). Ich habe eine große Sehnsucht nach dem Meer verspürt und freue mich jetzt schon, wenn eine Reise dorthin wieder möglich ist. Ich habe auch wieder eine Sehnsucht danach verspürt kreativ zu sein.

 

Diese Sehnsucht verfolgt mich schon mein ganzes Leben. Als Kind habe ich rund um die Uhr gezeichnet – mit großer Leidenschaft und gar nicht so schlecht. Leider komme ich jedoch aus einer Arbeiterfamilie und für meine Mutter war ein Bürojob das größte erstrebenswerte Ziel. Als Teenager hatte ich mit meinem damaligen Freund und allerersten Liebe eine Band (Punk, Rock, Heavy Metal Mix – ja, kein Scherz). Leider waren wir grottenschlecht, was aber vermutlich daran lag, dass wir das Üben immer mit großen Mengen an Alkohol unterstützten. Während meiner Zeit an der Wirtschaftsuniversität hatte ich nebenher Schauspielunterricht und kleine Komparsenrollen an den Theatern in Wien. Aber irgendwie hat immer die Vernunft gesiegt. Und ja, es war schön nach der Uni gleich einen gutbezahlten Job in der Wirtschaft zu bekommen. Ich konnte reisen, musste mir um nichts Sorgen machen, konnte alles kaufen was ich wollte. Und trotzdem, war sie immer da – die Sehnsucht. Lange wusste ich nicht was es war. Es war die Sehnsucht nach einem einfacheren Leben. Die Sehnsucht nach kreativem Ausdruck. Ja klar, ich hätte nebenbei weiterhin einen Gesangskurs, Malkurs, oder ähnliches machen können – aber irgendwie ist immer das Leben dazwischen gekommen. Die Verpflichtungen wurden mehr, die Zeit und die Energie weniger.

 

  • Kennst du das?
  • Wovon hast du denn in deiner Jugend geträumt?
  • Wofür fehlt dir die Zeit? Was würdest du machen, wenn du ein Jahr kein Geld verdienen müsstest?

 

Irgendwann finden die Abenteuer nur mehr in den Gedanken statt oder in den Büchern die wir lesen.

 

Mit meinem Schritt zur Yogalehrerin und Seminarleiterin bin ich der Kreativität wieder ein bisschen näher gekommen. Deshalb macht mir dieser Beruf auch große Freude. Ich kann mir Stunden und Workshops überlegen, Inspirationsinput einbringen und auch hin und wieder ein Mantra singen. Aber erst jetzt, durch diese Krise habe ich das Gefühl, alle meine Lebenswege führen zusammen und machen Sinn. Denn ich habe das Schreiben wieder entdeckt. Meine Liebe zu Büchern und zu guten Geschichten begleitet mich schon mein ganzes Leben lang. Da ich ein sehr schüchternes und ängstliches Kind war, das zu meiner großen Schwester immer aufgeschaut habe, war ich schon als Kind ein Bücherwurm. Meine Schwester hat mir bereits mit 5 Jahren lesen gelernt – dafür werde ich ihr immer dankbar sein. Ich muss in meinem Leben bereits tausende Bücher gelesen haben und hatte schon als Kind die Vorstellung irgendwann einmal selbst Schriftstellerin zu werden. Aber wie immer: die Vernunft war stärker. 

das Vernünftigste ist es, dem Herzen zu folgen

Das Schöne am Älterwerden ist jedoch, dass wir irgendwann erkennen, dass es das Vernünftigste und auch Gesündeste ist, dem eigenen Herzen zu folgen. Und das tue ich jetzt. 

 

Ich beginne also mein drittes Berufs-Leben. Interessanterweise haben alle meine Leben bisher 8 Jahre gedauert…

Die ersten 8 Jahre war ich Personalberaterin mit einem erfolgreichen Weg bis hinauf in die Führungsebene. Dank dem Verdienst aus dieser Zeit konnte ich mein nächstes Leben beginnen: Yoga- und Meditationslehrerin. Diese 8 Jahre haben mich zurück zu den Basics geführt und mir gezeigt, dass ich auch mit sehr wenig auskommen kann und damit glücklich bin. Und nun? Nun hoffe ich, dass ich die nächsten 30 Jahre (oder 45, wenn ich die Gene meiner Oma habe…) mit genauso viel Freude und Erfolg der Kunst und Schriftstellerei widmen werde. Aber wer weiß, vielleicht überfällt mich in 8 Jahren die nächste Sehnsucht…

Welchen Weg will dein Herz?

Nun bist du dran:

  • Was ist deine Sehnsucht?
  • Welche Leidenschaft begleitet dich schon dein ganzes Leben?
  • Worüber hat die Vernunft gesiegt?
  • Wie wirst du die nächsten 10, 20, 30 Jahre verbringen?
  • Was macht für dich ein glückliches Leben aus?

 

Ich freue mich von dir zu hören!

Alles Liebe & Namasté

Angelika

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0