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Entspannt in die Fastenzeit - the Yogi Way

 

 

Ab heute beginnt offiziell die Fastenzeit. Jetzt fragst du dich vielleicht: "Was hat Yoga mit Fasten zu tun und was will mir ein Yogi dazu sagen?"

 

Die Idee zu diesem Artikel kam mir vor ein paar Tagen, als ich mich mit meinen Kollegen im Krankenhaus über die Fastenzeit unterhalten habe. Spoiler Alert: es geht nicht um Verzicht sondern vielmehr um Selbstfürsorge...

 

Wie immer zum Lesen und Hören!

 

Seit letztem Jahr bin ich Praktikantin Seelsorge in einem christlichen Krankenhaus. Zuerst war ich ein bisschen skeptisch, da meine Kollegen durchgängig kirchlich sind: Ordensschwestern, Christliche Seelsorger und ein ehemaliger Pfarrer. Ich selbst bin schon vor langer Zeit aus der Kirche ausgetreten und habe mir mein eigenes Glaubenskonstrukt geschaffen. Denn: nur weil ich nicht zur Kirche gehe, bedeutet das nicht, dass ich nicht glaube. Mein Glaube richtet sich jedoch nicht nach vorgegebenen Regeln der Kirche sondern basiert auf Liebe, Verständnis und einigen Ideen aus dem Buddhismus.

 

Nun war ich gespannt, wie das die Runde der christlichen Seelsorger aufnehmen würde. Beim ersten gemeinsamen Mittagessen kam dann auch schon die Frage: "Woran glaubst du?". Wir hatten ein wunderschönes Gespräch über Glauben, Gott und Buddha und ich habe wieder festgestellt, dass Glaube in Wirklichkeit etwas sehr verbindendes ist - wenn wir ihn nicht als Vorwand benutzen andere auszugrenzen .

 

Nun führen wir wöchentlich interessante Gespräche rund um Religion, Rituale und Glauben und ich lerne dabei jedes Mal sehr viel. Diese Woche ging es natürlich um die Fastenzeit. Für mich hat die kirchliche Fastenzeit immer etwas mit Selbstgeißelung, Bestrafung und Verzicht zu tun - nichts, was ich 40 Tage lang durchhalten möchte. Aber völlig unerwartet erhielt ich von meinen kirchlichen Kollegen eine völlig neue Sicht der Dinge! So meinten alle drei, dass es beim Fasten nur sehr wenig um Verzicht ginge. Es geht vielmehr darum, einmal still zu sein und hinzuhören, was wir wirklich brauchen.

 

Wie oft essen wir nebenher Schokolade, spielen am Handy und holen uns noch eine Nachspeise obwohl wir eigentlich schon satt sind? Wie oft betäuben wir uns mit Alkohol, zu viel Arbeit und Aktivität um die Stille und unsere eigenen Gedanken nicht aushalten zu müssen? Und wie oft halten wir am Tag inne und fragen: "Brauche ich das jetzt wirklich? Tut es mir überhaupt gut?"

 

In diesem Sinne geht es in der Fastenzeit um Achtsamkeit und Selbstfürsorge - ein ganz anderer Gedanke als Verzicht und Selbstgeißelung. Als meine Kollegin meinte, dass sie sich in der letzten Fastenzeit  jeden Montag in aller Ruhe ein heißes Bad gegönnt hat, weil sie sich dafür sonst nie die Zeit nimmt, begann ich zu verstehen. Fasten heißt nicht, sich etwas zu verwehren was wir wirklich gerne mögen und was uns gut tut. Es heißt herauszufinden, was das überhaupt ist indem wir unsere Angewohnheiten unter die Lupe nehmen.  Die Ordensschwester, die nach eigenen Angaben Süßigkeiten kaum widerstehen kann, meinte sie würde sich in dieser Zeit vor jedem Stück Schokolade fragen ob sie das jetzt wirklich braucht. Und oft ist die Antwort "Ja" und dann isst sie es mit Genuss. 

 

Somit meine Anregung für die nächsten 40 Tage:

Betrachte die Fastenzeit als Zeit der Selbstfürsorge und als eine Gelegenheit herauszufinden was dir wirklich gut tut und welche deiner Gewohnheiten dir eher schaden. 

Schritt 1: Wie reagierst du auf Stress?

Gerade in stressigen Zeiten neigen wir verstärkt zu selbstschädigendem Verhalten.

Beginne damit dich genau zu beobachten: 

Brauchst du bei Stress unbedingt Süßes? Surfst du im Internet um dich abzulenken? Isst du mehr als dir gut tut?

Versuche nicht zu bewerten sondern einfach nur herauszufinden was du tust und warum.

Schritt 2: Was könntest du statt dessen tun?

Wie wäre es, wenn du in einer stressigen Situation ein paar Schritte um den Block läufst? Einfach einmal für ein paar Minuten tief durchatmest? Eine Freundin anrufst um über Belangloses zu plaudern? Welche einfach umzusetzenden Alternativen gibt es? Studien zeigen, dass es gerade bei Heißhungerattacken hilft, sich 5 Minuten nur auf den Atem zu konzentrieren bevor wir zur Schokolade greifen. Das Bedürfnis nach schneller Befriedigung verschwindet und wir können wieder klarer denken und gesündere Entscheidungen treffen.

Schritt 3: Was tut Dir gut?

Im Alltag vergessen wir oft was uns eigentlich gut tut oder wir glauben, wir hätten dafür keine Zeit. Erst vor kurzem hat mir eine Freundin erzählt, dass neben Job, zwei Kindern und Haushalt keine Zeit für Sport bleibt. Meine Antwort: "Nicht Mal 20 Minuten pro Woche?" "Naja, das ließe sich schon einrichten", war ihre Antwort. Fakt ist: wenn wir etwas wirklich unbedingt wollen, findet sich die Zeit. Wir haben ja auch Zeit um Fernzusehen, im Internet zu surfen,... "Aber mir fehlt die Energie" ist dann die nächste Aussage. Das glaube ich gerne. Aber erinnere dich, als du dich das letzte Mal aufgerafft hast um etwas zu tun, was dir Spaß macht. Zum Beispiel mit Freundinnen treffen. Du warst vielleicht zu Hause, es war ein langer und stressiger Tag und alleine der Gedanke sich jetzt zu duschen, anzuziehen und außer Haus zu gehen erschien unendlich ermüdend. Und doch hast du es gemacht und bald festgestellt, wie schön es ist, sich wieder einmal mit Freunden zu unterhalten. Einmal wegzukommen von der täglichen Routine.

 

Den inneren Schweinehund überwinden

Diesen inneren Schweinehund haben wir alle! Ich denke mir an manchen kalten, verregneten und dunklen Abenden auch, wenn ich nicht für meine Yogastunden bezahlt werden würde, würde ich einfach auf der Couch liegen bleiben und Chips essen. Aber sobald ich dort bin, freue ich mich riesig und die Energie ist wieder da. Das Geheimnis ist: EINFACH MACHEN- ohne Diskussion. Du diskutierst am Morgen ja auch nicht ob du jetzt aufstehst und deine Kinder in die Schule bringst. Ob du heute in die Arbeit gehst oder doch lieber im Bett bleibst. Weil es selbstverständlich ist und ein Nicht-Tun Konsequenzen hätte: Kein Gehalt, Probleme mit der Schule,... 

Aber es hat auch Konsequenzen wenn du dich nicht gut um dich kümmerst: schlechte Laune, Stress, gesundheitliche Probleme, Unzufriedenheit mit dem Partner.... Vielleicht hilft dir der Gedanke das nächste Mal, wenn dich die Couch abends soooo festhält und jede Bewegung sich wie eine Besteigung des Mount Everest anfühlt.

 

Dein Fastenplan

Habe ich dir das Fasten jetzt ein wenig schmackhaft gemacht? Wunderbar! Dann lass uns beginnen! Hier dein Plan:

 

  1. Fang die ersten 10 Tage einfach nur damit an, dich zu beobachten: Wie reagiere ich in schwierigen Situationen? Warum?
  2. Die nächsten 10 Tage versuche eine Alternative zu finden: statt Schokolade süßes Obst, statt dem Weg  zum Kühlschrank ein Spaziergang rund ums Haus,...
  3. Dann 10 Tage lang jeden Tag etwas für dich tun, das dir gut tut? Kleinigkeiten: dir einen Strauß Blumen kaufen (das mache ich einmal pro Woche...), mit einer Freundin treffen, eine Massage,....
  4. Und dann beginne die letzten 10 Tage alles zu kombinieren.

Wie klingt das? Machbar? Könnte Spaß machen? Probiere es einfach aus und sieh, was diese Art der Fastenzeit mit dir macht.

 

Ich würde mich freuen, wenn du mir deine Meinung zu diesem Thema mitteilst? Was hältst du von der Fastenzeit?  Gerne hier im Kommentar oder per email an a.ployer@yogicmind.at

 

Bis zum nächsten Mal!

Alles Liebe & Namaste

Angelika

Karma Queen in spe

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