Im Augenblick leben

Schiebst du auch oft Dinge auf, weil du gerade keine Zeit, keine Energie oder kein Geld hast? Oder aus Rücksicht auf jemand anderen? Und wie oft hast du es später nachgeholt?
 
In diesem Blogbeitrag geht es darum im Augenblick zu leben - wie es geht und Tipps wie du schon heute damit beginnen kannst.
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"Wenn du traurig sein willst,

lebe in der Vergangenheit,

wenn du Angst haben willst,

lebe in der Zukunft

und wenn du glücklich sein willst,

lebe jetzt"

 

Ertappst du dich manchmal auch bei dem Gedanken „im Urlaub, da lass ich es mir Mal so richtig gut gehen". Oder „wenn ich nur mehr Zeit hätte, würde ich öfter meine Freunde treffen.“ "Wenn ich mehr Energie hätte, würde ich statt fernsehen laufen gehen…“

Ganz ehrlich? Hin und wieder?

 

Oder vielleicht hast du ab und zu den Gedanken…. "Wenn ich 5 kg weniger hätte würde ich mich wieder verlieben". "Wenn ich dieses Projekt abgeschlossen habe werde ich Mal entspannen". "Wenn Mal wieder die Sonne scheint, kann ich endlich mit dem Radfahren beginnen".

 

Wir leben sehr häufig in einer Wartehalle, so als ob die wirklich schönen Dinge des Lebens erst beginnen, wenn wir x-y erledigt haben oder a-b eingetroffen ist. Dadurch entsteht eine große Erwartungshaltung , dass dieser Zeitpunkt doch endlich kommen soll damit wir glücklich werden können.

 

Unter der Woche freuen wir uns auf das Wochenende. Während der Arbeitswoche sehnen wir den Urlaub herbei und manche freuen sich vielleicht sogar schon auf die Pension, weil dann, ja dann machen wir alles was wir schon so lange vorhaben: Gitarre spielen lernen, tanzen gehen, kochen, uns gesund ernähren, für den Marathon trainieren, jeden Tag meditieren… du kannst die Liste mit deinen „aber danns“ ausfüllen.

 

Ich kenne das stark aus meiner Jugendzeit. So zwischen 16 und 25 hatte ich immer eine unglaubliche Unruhe in mir. Egal wo ich war, woanders wäre es doch gerade schöner…. War ich zu Hause, wollte ich reisen. Während meines Studiums in den USA habe ich mich oft nach den Familienwochenenden gesehnt. War ich am Strand, wollte ich lieber am Berg sein und umgekehrt. Dieses Gefühl des "Getrieben-Seins" hat im Endeffekt dazu geführt, dass ich mit meinen Gedanken und Wünschen und meinem Körper nie am gleichen Ort war und somit sehr oft unzufrieden.

 

Die Gleichung, dass wenn ich doch xy hätte, dann wäre glücklich, die geht sehr selten auf. Weil das Leben so nicht funktioniert. Laut yogischem und auch buddhistischen denken ist ein Moment weder gut noch schlecht. Er ist einfach – Punkt. Ob er gut oder schlecht ist entscheidest du, mit deiner Bewertung.

 

Und wir bewerten den ganzen Tag. Die erste Bewertung des Tages ist meistens: geht’s mir gut oder schlecht (je nachdem ob ausgeschlafen oder nicht). Die zweite: ist das Wetter schön oder ungemütlich. Und so geht es dann den ganzen Tag weiter. Beobachte dich in den nächsten Tagen einmal, wie oft du bewertest.

 

Das ist ganz normal, das tue ich auch – aber beobachte einmal, wie es deine Stimmung beeinflusst.

 

Stell dir vor, du musstest gestern spät arbeiten, hast dir die ganze Nacht den Kopf über ein Projekt zerbrochen und letztendlich nur 4 Stunden geschlafen und machst dir Sorgen wegen dem heutigen Meeting. Wie ist die Bewertung deines Tages? Schlecht.

 

Nun stell dir vor du hattest gestern ein tolles Date, ein wundervoller neuer Mensch ist in dein Leben getreten. Du bist erst spät nach Hause gekommen, hast aufgrund der Schmetterlinge im Bauch nur 4 Stunden geschlafen und bist ganz aufgeregt wegen des nächsten Treffens. Wie ist die Bewertung des Tages? Bombastisch.

 

Der Tag ist der gleiche – den Unterschied machst du. Wir schaffen uns unsere eigene Realität und laut Hirnforschung kann unser Gehirn nicht unterscheiden ob etwas real, ausgedacht, erwartet oder erinnert ist – in allen Fällen reagiert es mit der gleichen Reaktion: Stress oder Freude und schüttet im Körper die entsprechenden Hormone aus.

 

Nun fragst du dich vielleicht was das alles mit Yoga zu tun hat. Ein Kernelement von Yoga ist Achtsamkeit. Indem du meditierst, fokussierst du dich auf den Moment, auf den Atem, auf ein Objekt, oder auf die Leere, die du entstehen lässt. Du übst und bist ganz in deinem Körper, beim Atem und in der Übung und machst dir keine Gedanken über das Projekt morgen. Indem du dich mit Yogaphilosophie beschäftigst, wird dir erst bewusst, wie oft am Tag du bewertest, wie oft du vielleicht in der Zukunft bist und wie oft du urteilst.

 

Beginne einmal damit zu beobachten wie oft deine Gedanken vielleicht bereits während des Lesens dieses Artikels abgedriftet sind. Wo sind sie hin? In die Vergangenheit oder in die Zukunft? Du kannst im Laufe des Tages immer wieder versuchen deine Gedanken zu beobachten. Und sie wieder zurück zu holen. Studien zufolge tendieren Menschen dazu überwiegend in der Zukunft zu leben. Wir planen, organisieren, sorgen uns, überlegen uns 100 Szenarien für Probleme die vermutlich nie eintreffen werden. Stell dir einmal vor, was du mit dieser Energie anfangen könntest.

 

Denn ganze ehrlich – im Leben kann man ohnehin nichts kontrollieren. Du kannst für dich gute Handlungen setzen um positive Konsequenzen (also gutes Karma) zu bekommen – aber 100% vorhersagen was die Folge ist, kannst du nicht.

 

Viele Menschen hängen mit den Gedanken auch in der Vergangenheit fest. Wie oft hast du von deinen Großeltern gehört „früher war alles besser“? Wie oft denkst du dir selbst „hätt ich nur in dieser Situation anders gehandelt“. Das nützt leider nichts, denn die Vergangenheit kannst du nicht ändern – nur dein jetziges Verhalten. Ich war übrigens früher Meister im Anzweifeln meiner Entscheidungen. Mittlerweile habe ich mir ein für mich funktionierendes Mindset dazu zugelegt: "Ich entscheide mich immer richtig". Denn, ich schade mir ja nicht absichtlich selbst. Und im jeweiligen Moment treffe ich mit den Informationen die mir zur Verfügung stehen immer die richtige Entscheidung. Dass ich es nachher besser weiß ist ja klar- ich habe ja mehr Informationen. Und wer weiß, ob es auf eine andere Art besser ausgegangen wäre. Dies nimmt mir persönlich sehr viel Druck im Leben.

 

Aber zurück zum „im Hier und Jetzt leben“. Wenn es dir gerade möglich ist, setze dich gerade hin und mach die Übung mit.

 

Lege die Hände auf deinen Bauch und beginne tief in den Bauch zu atmen. Atme ein, halte kurz an und atme dann wieder aus. Wiederhole dies ein paar Mal: tief in den Bauch einatmen, kurz anhalten ausatmen. Versuche vor allem die kurze Atempause ganz bewusst wahr zunehmen. Wiederhole dies für ein paar Atemzüge.

 

Wo waren deine Gedanken? Beim Atmen? Oder sind sie abgedriftet?

 

Versuchen wir es noch einmal: nun zähle beim Einatmen bis 3 und atme langsamer aus und zähle dabei bis 5 - nicht schneller zählen, nur langsamer ausatmen. Wiederhole dies für ein paar Atemzüge.

 

Wo waren die Gedanken jetzt? Beim Zählen und beim Atmen – also im Hier und Jetzt.

Dies ist eine ganz einfache Atemmeditation, die du jederzeit und überall durchführen kannst. Durch das längere Ausatmen, wird direkt der Parasympathikus, also die Entspannungsreaktion aktiviert und dein Nervensystem kommt zu Ruhe: denn ein ruhiger Atem ist ein ruhiger Geist. Indem du diese Übung öfter während des Tages für ein paar Atemzüge wiederholst, lernt dein Gehirn im Hier und Jetzt zu sein und es wird dir auch im Leben immer öfter gelingen.

 

Nun noch 3 Möglichkeiten zu üben im Augenblick zu leben:

 

1. Gedanken zurückholen

Halte während des Tages immer Mal wieder kurz inne und beobachte wo deine Gedanken sind. Sind sie bei dem was du gerade tust oder planst du schon wieder? Oder machst dir Sorgen um Dinge die vermutlich nie eintreffen werden? Vielleicht grübelst du auch über etwas nach, dass schon lange vorbei ist? Dann hole sie langsam wieder in die Gegenwart zurück und konzentriere dich auf das was du gerade tust. Versuche dies mehrmals am Tag, jedoch ohne zu werten und mit liebevoller Geduld.

 

2. Atemübung:

Führe die Atemübung wie vorher durch: Lege deine Hände auf deinen Bauch und beginne tief in den Bauch zu atmen. Atme ein, halte kurz an und atme dann wieder aus. Wiederhole dies ein paar Mal: tief in den Bauch einatmen, kurz anhalten ausatmen. Versuche vor allem die kurze Atempause ganz bewusst wahr zunehmen. Wiederhole dies für ein paar Atemzüge. Beginne dann damit die Ausatmung zu verlängern. D.h. zähle beim Einatmen bis 3 und atme langsamer aus und zähle dabei bis 5 - nicht schneller zählen, nur langsamer ausatmen. Wiederhole dies für ein paar Atemzüge.

 

3. Achtsamkeit üben

Finde eine Tätigkeit, die du für die nächste Woche achtsam ausführst. Dies kann Zähneputzen sein, die Stiegen steigen, Essen,... ganz egal. Nimm dir vor während der Ausführung dieser Tätigkeit ganz dabei zu sein und die Gedanken auszuschalten. Nimm wahr wie es sich anfühlt, wie es riecht, eventuell wie es schmeckt. Falls deine Gedanken doch abdriften, hole sie zurück. Nach einer Woche kannst du eine anderen Tätigkeit wählen oder eine weitere dazu nehmen.

 

Wenn du diese 3 Übungen regelmäßig durchführst, wirst du schnell merken, dass es dir immer öfter gelingt im Hier und Jetzt zu bleiben und vielleicht hast du dann auch weniger das Bedürfnis nach Multitasking.

 

Vielleicht hast du ja eigene Übungen um im Hier und Jetzt zu bleiben? Dann lass sie mich wissen!

 

Danke, dass du diesen Beitrag gelesen hat & bis zum nächsten Mal!

 

Alles Liebe & Namasté

 

Angelika

Karmaqueen in spe