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Warum Schmerzen gut für dich sind

 

Vielleicht denkst du dir beim Lesen der Überschrift: "Schmerzen sollen gut sein - ernsthaft? Die hatte wohl noch nie Schmerzen!"

 

Dann kann ich nur sagen: Doch, schon ziemlich viele. Und meistens habe ich sie schnell weggedrückt - durch Ablenkung oder Medikamente. Bis ich erkannt habe - die kommen an anderer Stelle wieder und den Mut hatte genau hinzu schauen. 

 

Ein Erfahrungsbericht zum Nachdenken...

(und wie immer: zum Hören & Lesen)

Ein Signal

Dieser Blogbeitrag handelt von Schmerzen, aber auch davon wie sie uns helfen können ein zufriedeneres Leben zu führen. Ich erzähle dir was  ein Tennisellbogen mit Selbstliebe zu tun hat und was ich selbst in den letzten Monaten gelernt und verändert habe.

 

Einer meiner Lieblingssprüche lautet:

Sagt die Seele zum Körper:

"Sag du es ihr, auf mich hört sie nicht“

 

Und mein Körper hat sich dieses Jahr lautstark gemeldet: in Form eines Tennisellbogens. Hattest du auch schon? Falls nicht – sei froh, es ist keine übermäßig angenehme Erfahrung, betrifft aber sehr viele Menschen. Um diese Erkrankung zu bekommen musst du nicht Tennis spielen (mache ich übrigens nicht), sondern es reicht eine Überlastung der Sehne im Außenbereich des Ellbogens durch monotone Bewegung. Ich habe dies übrigens nicht durch Yoga bekommen (du kannst also ganz beruhigt weiter Sonnengrüße üben) sondern durch Krafttraining mit Hanteln. Indem ich alles ignoriert habe, dass ich im Yogakurs immer sage: "Höre auf deine Grenzen, wenn es weh tut hör auf, vergiss den Spruch „no pain no gain“. Ja, genau. Aber ich wollte doch so gerne einen schönen Trizeps haben. Ich wollte winken können, ohne dass der Oberarm noch länger nachschlackert... Ich habe also die Optik vor die Gesundheit gesetzt. Und das war für mich eine sehr interessante Erkenntnis: Im Yoga ist mir völlig klar, dass es nicht darum geht schön und durchtrainiert auszusehen, es geht darum sich Wohlzufühlen, in sich zu ruhen, auf den Körper zu hören. Im Krafttraining ist das nicht so. Ich trainiere schon sehr lange und ein Motto das ich immer wieder höre ist: „Schmerz ist, wenn Schwäche den Körper verlässt“.

 

Na, dann muss ich ja nun ziemlich stark sein….

 

Die ersten Anzeichen des Schmerzes habe ich gar nicht ernst genommen. Erst als ich nach zwei Wochen den Arm kaum mehr heben und kein Gurkenglas mehr öffnen konnte, war mir klar: da stimmt etwas nicht. Und damit hat eine lange Reise der Selbsterkenntnis, Abgrenzung und Selbstliebe begonnen.

Umgang mit Schmerz

Was machst du eigentlich wenn du Schmerzen hast?

Nimmst du ein Schmerzmittel und wartest bis es vorbei ist?

Hinterfragst du, woher der Schmerz kommt?

Schaust du dir deine Verhaltens- und Bewegungsmuster an und änderst sie?

Fragst du dich, was dir der Schmerz gerade sagen will?

 

Vermutlich nicht – und das ist ganz normal. Wir schieben Schmerzen immer gerne schnell weg, wollen sie nicht aushalten und haben ja zum Glück eine große Bandbreite an Medikamenten zur Verfügung um dies nicht zu müssen. Aber das Problem dabei ist: Schmerz hat eine Schutzfunktion. Irgendetwas läuft in deinem Leben gerade falsch. Vielleicht ist es eine ungünstige Körperhaltung die zu Verschleißerscheinungen führt, zu viel Stress, der zu Verspannungen führt oder eben unbedachtes Training.

 

Stell dir vor, bei deinem Auto leuchtet die Öllampe auf. Würdest du auf die Idee kommen, das Lämpchen rauszudrehen, damit dich das Licht nicht stört? Nein, du bleibst stehen, füllst Öl nach und fährst erst dann weiter. Das gleiche gilt für die Benzinlampe. Es ist klar, dass ein Warnlicht im Auto ernstgenommen werden muss, denn sonst fährt es nicht mehr – im schlimmsten Fall kommt es zum Totalschaden.

 

Warum bleiben wir dann bei unserem Körper nicht stehen wenn die kleinen Alarmlampen leuchten? Die sind zum Beispiel: Müdigkeit, Erschöpfung, Rückenschmerzen, Kopfschmerzen, Lustlosigkeit, fehlende Lebensfreude: das sind die Benzin- und Öllampen des Körpers. Wenn wir darauf nicht achten, nützt sich unser Körper genauso schnell ab wie unser Auto – Totalschaden inklusive.

der klassische Weg

Nun musste ich jedoch feststellen, dass nicht alle Mediziner das so sehen wie ich. Mein erster Weg zum Orthopäden war für den Arzt und mich eine gleichermaßen unverständliche und unerfreuliche Begegnung. Nach der Frage was ich hätte und der Diagnose Tennisarm kam sofort die Aussage: „Das infiltrieren wir Mal“. Nach 5 Minuten Gespräch und ohne meinen Arm überhaupt berührt zu haben. Auf mein Nachfragen, was das denn sei, meinte er: „Na da spritz ich Kortison rein . Ich versuch den Muskel zu treffen, der die Schmerzen verursacht und nach 3 – 4 Mal ist es weg.“ Auf meine Zweifel ob das die beste Lösung sei meinte er, „Was sich die Leute immer wegen dem Kortison antun, ich spritz mir das immer wenn ich einen Tennisellbogen habe – aber wenn´s nicht wollen, dann wird´s halt chronisch und sie haben immer Schmerzen.“. Puuuhh. In dieser Aussage waren so viele Warnlichter, dass ich sprachlos war. Was heißt, "das spritz ich mir immer selber wenn ich einen Tennisellbogen habe"? Ich möchte das eigentlich nicht noch einmal bekommen. Und: ist das nicht die Definition von chronisch?  Die Aussage "Ich versuche den richtigen Muskel zu treffen…“ – hat mir ehrlichgesagt auch nicht besonders viel Vertrauen in die Behandlung gegeben. Auf die Frage, ob ich es denn nicht mit Übungen oder anders wegbekomme, schaute er mich nur an und sagte: "da hilft nix".  Ich habe mich freundlich bedankt und abgelehnt. Das dürfte nicht oft vorkommen, denn plötzlich waren der Arzt und die Ordinationsassistentin ganz still. „Wie sie wollen keine Spritze…Aber dann geht das nicht weg. Aber wenn Sie es besser wissen… Wir sind halt auch nicht mehr die Götter in weiß denen man alles glauben muss…“und damit war ich entlassen. Am Heimweg sind mir natürlich tausend Ängste und Zweifel gekommen. War es richtig, das abzulehnen? Was ist wenn es tatsächlich schlimmer wird? Wenn das nie wieder weg geht? Wenn ich nicht mehr Yoga unterrichten kann? Wenn, wenn, wenn…. Ich komme aus einer Familie in der die Meinung eines Arztes nie angezweifelt wurde und das hat mir schwer zu schaffen gemacht.

Dem eigenen Gefühl vertrauen

Aber ich erinnere mich an das Gefühl, das ich in der Praxis hatte. In mir hat alles laut NEIN geschrien. Das ist nicht der richtige Weg – es muss auch anders gehen. Und nachdem ich meine Kindheitsängste, nämlich: "das geht nie wieder weg“ hinter mir gelassen habe, kam plötzlich andere Gefühle: Stolz und Urvertrauen

Ich war stolz, weil ich auf mich selbst aufgepasst und auf meinen Körper gehört habe und spürte Urvertrauen, dass alles wieder gut wird. Nun verstehe mich jetzt bitte nicht falsch: Ich bin auf keinen Fall gegen Medikamente und in den folgenden Wochen hätte ich mir oft eine Spritze gewünscht, die mir die Schmerzen nimmt – aber in diesem Fall, wusste ich, es geht um viel mehr als um die Schmerzen im Arm – es geht darum, dass ich etwas in meinem Leben verändern muss.

Neue Wege

Ich habe mich also einmal mit dem körperlichen Zeichen auseinander gesetzt und meine Bewegungsabläufe beobachtet und hinterfragt. Ich habe begonnen sehr viel mehr mit dem anderen Arm zu machen und erkannt wie sehr ich mich auf die rechte Hand verlasse. Wenn man einen Arm nur mehr schwer bewegen kann, erkennt man einmal wie wichtig beide Hände sind und ich empfinde seit dem ganz bewusst Dankbarkeit für alle Körperteile, auch wenn sie nicht weh tun, bzw. ganz besonders dann.

 

Es war ein sehr langer Weg, der über 5 Monate gedauert und sehr schmerzhaft war, vor allem nachts, denn ich habe 3 Monate kaum geschlafen. Aber die gute Nachricht: 

Nichts dauert ewig – alles geht vorbei.

 

Ich habe verschiedene Formen von Behandlungen ausprobiert von Faszientherapie und Taping bei einer Sportmedizinerin die auf Schmerztherapie spezialisiert ist, über die Bowen Technik die die Selbstheilungskräfte anregt, Physiotherapie und Osteopathie und natürlich Yoga und Meditation. Da ich immer wieder Leute treffe, die unter Schmerzen leiden, werde ich im Blog näher auf  die einzelnen Behandlungsmöglichkeiten eingehen und dir meine eigenen Erfahrungen schildern. Vielleicht ist ja auch etwas dabei das du brauchen kannst, bzw. das dir gut tun würde. Das wichtigste aus all diesen Behandlungen und aus dieser Zeit ist jedoch, dass ich 2 Erkenntnisse gewonnen habe:

die Bedeutung von Selbstfürsorge

Selbstfürsorge ist etwas, dass man gerne vernachlässigt. Während meiner Bowen Behandlung, als der Therapeut meinen Kopf sanft in den Händen hielt, bin ich plötzlich in Tränen ausgebrochen. Der Grund? Ich habe mich zum ersten Mal seit langem umsorgt und gehalten gefühlt. Ich wusste gar nicht, dass mir das fehlt, aber sind wir Mal ehrlich, sobald wir erwachsen sind, werden wir selten umsorgt und bemuttert, oder? Und deshalb ist es so wichtig, sich dieses Gefühl selbst zu geben. Wie? Das ist vermutlich von Person zu Person verschieden. Für mich bedeutet für mich selbst zu sorgen z.B. mir etwas gutes zu kochen, ein schönes Bad und eine gut riechende Körpercreme, mir regelmäßig Blumen zu kaufen, abends eine Kerze anzuzünden und mich selbst auch einfach Mal in Ruhe lassen und nicht ständig anzutreiben.

 

Wann fühlst du dich umsorgt?

Wie kannst du das selbst für dich tun?

Alle Anteile ausleben

Ich lebe mein Leben oft sehr maskulin und ergebnisorientiert, d.h. Kraft, Durchsetzungsstärke und Zielerreichung dominieren. Dabei ist  mir ist die Leichtigkeit abhanden gekommen.  Als Selbständige bin ich es gewohnt alles selbst zu tun, ständig Entscheidungen zu treffen, Dinge zu planen, organisieren und umzusetzen. Ich delegiere kaum und spreche mich mit niemandem ab. Zusätzlich habe ich auch meine sportlichen Betätigungen immer auf Kraft und Stärke ausgerichtet: Krafttraining mit Hanteln und Boxtraining. Es hat mir zwar Spaß gemacht, aber es fehlte die spielerische Freude und Leichtigkeit dabei, das Weiche und Weibliche wenn ich das so sagen kann. Da ich aufgrund der Schmerzen im Arm weder zum Box- noch zum Krafttraining gehen konnte, habe ich in mich hineingehört und mich gefragt, was ich denn wirklich von Herzen gerne machen möchte. Und die Antwort die sofort gekommen ist war: TANZEN.

Ich habe immer schon sehr gerne getanzt, aber für Clubs bin ich meistens zu müde. Ich gehe ganz gerne vor Mitternacht schlafen, und genieße es am nächsten Tag früh aufzustehen. Aber das Schöne ist: sobald ich wusste was ich brauche, kamen plötzlich zahlreiche Gelegenheiten um dies umzusetzen. Für mich waren es Ecstatic Dance und Salsa.

 

Ecstatic Dance ist eine Bewegung die aus dem Yoga Gedanken heraus entstanden ist: Keine Bewertung – alles ist erlaubt. Kein Alkohol, keine Zigaretten. Es wird barfuß zu verschiedenen Rhythmen getanzt und das Beste: es beginnt meistens gegen 18:30 und endet gegen 22:00 – perfekt für mich. Zusätzlich habe einen Salsa Crash Kurs gemacht und freue mich jetzt jedes Mal auf Tanzabende. Ich bewege mich mehr als je zuvor und habe einen Riesenspaß dabei.

 

Die Fitness Center Mitgliedschaft habe ich übrigens gekündigt.

Fazit und Fragen an dich

Ich bin meiner Seele sehr dankbar, dass sie mir das Zeichen über den Körper geschickt hat etwas im Leben zu verändern – ich hätte es sonst nicht gesehen. Ich lebe nun meine weichere, weibliche Seite durch Tanz und Musik und fühle mich mehr zentriert und zufrieden als je zuvor.

 

Falls du im Moment an Schmerzen, Krankheiten, Beschwerden leidest: Mein Weg muss nicht deiner sein. Aber es hilft, über die körperliche Ebene hinwegzusehen – und sei es nur um sich zu denken: auch das hat irgendwo einen Sinn.

 

Frage dich:

Was möchte mir meine Seele sagen?

Kenne ich meine Bedürfnisse?

Wie kann ich sie befriedigen?

Wie kann ich gut für mich selbst sorgen?

Was braucht mein Herz und mein Körper?

Was macht mir richtig Spaß?

Was brauche ich um durch schwere Zeiten zu kommen?

 

Denn schon die Buddhisten sagten:

Schmerz und Verlust ist im Leben unvermeidbar – Leiden ist optional.

 

 

Alles Liebe & Namasté

Angelika

Karma Queen in spe

 

Falls du am 17.11. in Wien bist, ich halte einen Workshop zum Thema Urvertrauen – wie du auch in schwierigen Zeiten stark bleibst.

Hier findest du nähere Infos dazu.

 

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