Wie du deine Wahrheit leben und in Balance bleiben kannst

In diesem Blogbeitrag zeige ich dir verschiedene Möglichkeiten, wie du bereits heute damit beginnen kannst mehr Wahrheit in dein Leben zu integrieren und dadurch mehr in Balance zu kommen. 

Wir schauen uns an:

  • Welche Geschichten wir uns ständig über uns selbst erzählen, und ob die überhaupt stimmen.
  • Warum es wichtig für unsere Gesundheit ist, dass unsere innere und unsere äußere Wahrheit zusammenpassen
  • Warum Notlügen uns aus der Balance werfen

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Dieser Blogbeitrag gehört zur Reihe "Wo geht es hier zur Erleuchtung" und basiert auf dem 8 Stufigen Weg von Patanjali.  Heute beschäftigen wir uns mit dem Thema Wahrheit & Wahrhaftigkeit – SATYA.

Was bedeutet "Satya"?

Satya wird sehr unterschiedlich übersetzt: Wahrhaftigkeit, Aufrichtigkeit, Offenheit, die Wahrheit sprechen.

So zahlreich die Übersetzungen sind, so umfassend sind auch die Ansatzpunkte für unser Leben. 

 

Im Bezug auf unsere Umwelt bedeutet Satya „die Wahrheit sprechen ohne andere unnötig zu verletzen“.

Es kommt also drauf an

  • WAS wir sagen
  • WIE wir etwas sagen
  • WELCHE AUSWIRKUNGEN das Gesagte auf den anderen hat

 

Ein guter Richtwert ist es, sich bevor man etwas sagt, folgende Fragen zu stellen:

  • „Ist es wahr?“
  • „ist es hilfreich?“
  • „ist es besser als Schweigen?“

Der Unterschied zwischen Wahrheit und Meinung

Wie oft bekommen wir ungefragt Lebensweisheiten, Hinweise oder gut gemeinte Ratschläge von anderen, die uns aus der Balance werfen? Und wie oft haben wir das Bedürfnis anderen einen Ratschlag zu erteilen, weil wir ja genau wissen was gut für ihn oder sie wäre? Wann hilft man damit dem anderen und wann wäre es besser zu schweigen?

 

Im Buch „Die verborgene Kraft des Yoga“ von Nischala Joy Devi habe ich dazu ein schönes Beispiel gelesen:

Angenommen du gehst mit einer Freundin für eine wichtige Veranstaltung einkaufen. Freudestrahlend tritt sie aus der Garderobe und meint: „Ok, das ist das Kleid für heute Abend! Was meinst du? Steht es mir?“ und du denkst dir nur: „Oh mein Gott – das ist hässlichste Kleid das ich je gesehen habe. Die Leute werden sie auslachen.“ Nun könntest du ihr das sagen – vielleicht in freundlichen Worten.

Oder du nimmst dir einen Augenblick und fragst dich ob das stimmt. Wird jeder das Kleid hässlich finden? Irgendjemandem wird es ja wohl gefallen haben, sonst würde es nicht verkauft. Und zählt es nicht ganz allein dass es ihr gefällt? Nun wollen wir nicht lügen und du könntest sagen: "Man merkt dass es dir gefällt - Du strahlst in diesem Kleid". Keine Lüge – aber auch keine Beeinflussung.

 

Wenn wir öfter innehalten und uns fragen, ob das was wir glauben wirklich allgemein gültig ist, könnten wir viele Beziehungen einfacher

gestalten.

 

Wahrheit im Sinne von Yoga ist eine Mischung aus Wissen, Demut und persönlicher Integrität und es ist immer wichtig sich den  Unterschied zwischen Wahrheit und Meinung bewusst zu machen. Wenn ich ein Essen gut finde, weil es scharf ist und ich scharfes Essen mag muss es für einen anderen, der vielleicht Schärfe nicht gut verträgt nicht wahr sein. Es ist eine Meinung.

 

Durch Selbstbeobachtung finden wir heraus ob etwas die Wahrheit ist, oder nur unsere Interpretation davon. Ist der Partner unserer Freundin ein Schaumschläger und glauben wir das nur? Sind fremdländisch aussehende Personen gefährlich oder erwarten wir das nur? Ist die teure Handtasche von guter Qualität und wünschen wir uns das nur?

Innere und äußere Wahrheit

Dafür ist es wichtig zu erkennen ob unsere innere und äußere Wahrheit zusammenpasst. D.h. kann ich, dass woran ich glaube auch im Alltag leben?

 

Ein sehr drastisches Beispiel wäre eine Person, die zu Hause regelmäßig Yoga praktiziert und in einer Hühnerlegebatterie arbeitet. Oder jemand, der einen sehr gesunden Lebensstil wichtig findet und in einer Trafik Zigaretten verkauft.

 

Dies sind natürlich nur überspitzte Beispiele, aber ich habe auch eines aus meinem Leben: In meiner früheren Berufslaufbahn war ich als

Personalberaterin tätig. Ich habe das sehr gerne gemacht, weil ich gerne verkaufe. Aber mit der Zeit habe ich erkannt, dass es mir immer schwerer gefallen ist, Freude an der Tätigkeit zu finden, weil es für mich nicht mehr stimmig war. Ich bin vor dem Personalisten gesessen und habe gesagt „Selbstverständlich finde ich einen Bilanzbuchhalter mit 10 Jahren Erfahrung der für dieses Gehalt bei Ihnen arbeiten

möchte“ und habe mir beim Rausgehen gedacht, "das ist unmöglich". War es eine Lüge? 

Wo beginnt die Lüge?

Kleine Notlügen erzählen wir ja alle Mal. "Ich kann heute leider nicht zum Treffen kommen, ich habe Kopfschmerzen". – Schon Mal erzählt?

Oder "Ich würde dir gerne helfen, aber ich bin so im Stress".

 

Wenn unsere innere und äußere Wahrheit nicht zusammenpassen kommen wir aus der Balance, fühlen uns unrund und werden im schlimmsten Fall sogar krank. Wenn ich nie sagen kann was ich wirklich will, aus Angst nicht gemocht zu werden oder jemanden zu verletzen, wird das auf Dauer meine Gesundheit beeinträchtigen. Und es ist ja so viel leichter zu sagen: "Ich kann nicht kommen, ich bin

krank". Als: "Ich komme nicht, weil ich heute nicht mag".

 

Ich habe mir angewöhnt mich nicht mehr zu rechtfertigen wenn ich etwas nicht tun mag – denn es fragt meistens ohnehin niemand nach dem Grund. So sage ich dann vielleicht: "Es tut mir leid, ich schaffe es heute nicht." – das kann ja in Wirklichkeit alles bedeuten und ich muss mir kein Lügenkonstrukt zusammenbasteln. Zu Freunden, die mich gut kennen, sage ich: "Sei mir nicht böse, aber ich möchte heute nicht."  Und das ist ok. Mir ist es auch lieber eine Freundin sagt ehrlich, dass sie heute lieber zu Hause bleibt, als eine Krankheit vorzuschieben oder ungern zu kommen.

Dabei habe ich für mich etwas entdeckt: bei Menschen, die ich wirklich gerne mag, sage ich nie ab. Bei anderen jedoch, entdecke ich oft einen Widerstand der mir zeigt, dass ich dieser Person im Moment vielleicht gar keinen Raum in meinem Leben geben möchte. Ohne dass es einen bestimmten Grund gibt. Somit habe ich für mich festgelegt, wenn ich mehr als 3 x das Bedürfnis habe ein Treffen mit einer Person kurzfristig vorher abzusagen, mache ich mir nichts mehr aus. Klingt logisch – aber tust du das? Treffen wir uns nicht oft mit Leuten aus Pflichtgefühl oder weil sie so nett fragen? Umgekehrt: wenn mir mehr als 3x jemand kurzfristig absagt, mache ich mir auch nichts mehr aus – ich gehe davon aus, dass ich für die andere Person nicht so wichtig bin, und das ist ok! 

 

Geht es deiner Meinung nach, eigentlich nie zu lügen und immer die Wahrheit zu sagen? Beginnt es nicht schon damit, dass wir Kinder belügen: Weihnachtsmann, Osterhase,… Wo ist es noch der Zauber der Kindheit und wo beginnen Notlügen?

Nein-sagen lernen

Wahrhaftigkeit zu leben heisst auch nicht "Ja" zu sagen wenn du eigentlich "Nein" meinst. Das ist vor allem im beruflichen Kontext schwierig. Aber solltest du das Gefühl haben, dass dir das des Öfteren passiert, schau einmal genau hin. Frag dich nach dem Warum und was du dagegen tun könntest.

 

Das war in der Vergangenheit für mich eine große Lernerfahrung. In der Freude des Augenblicks habe ich oft "Ja" zu einem Projekt, einer Einladung oder einem Job gesagt, den ich nach genauerem Nachdenken eigentlich gar nicht machen wollte. Dann wieder herauszukommen war immer mühsam. Somit habe ich mir angewöhnt immer einmal kurz darüber nachzudenken und nicht gleich zuzusagen – denn nur dann kann ich 100%ig dahinter stehen.

Belügst du dich manchmal selbst?

Als letzten Denkanstoß zum Thema Satya habe ich noch die Frage an dich, ob du dich ab und zu selbst belügst? Nein? Ganz sicher? Also ich mache das schon. Wenn ich gerade keine Administration oder Buchhaltung machen will, kann ich mir einreden, dass ich ja viel zu müde bin. Oder dass ich es ganz sicher morgen mache…. Dass ich ja sonst sooo diszipliniert bin, nur heute nicht.

 

Wenn du dich selbst beobachtest wirst du feststellen, dass du dir und anderen gerne Geschichten darüber erzählst wer du bist und was du tust. Dass du zum Beispiel immer auf deine Gesundheit achtest, dass du ja kreativ wärst wenn du mehr Zeit hättest,…

 

Wir tun dies bereits unser ganzes Leben und haben oft verlernt zu erkennen, was wahr ist und was Geschichte. Was wir wirklich erlebt

haben und was wir nur durch Überlieferungen kennen. Studien zeigen, dass die meisten unserer Kindheitserinnerungen so gar nicht passiert sind. Wir kennen sie aus Erzählungen oder Fotos und haben sie ausgeschmückt. Manche Geschichten glauben wir, andere erfinden wir um vor anderen besser dazustehen, wie z.B. „Ich bin erfolgreich in meinem Beruf und es macht mir nichts aus viele Stunden

im Büro zu sein.“ oder „Ich bin zu beschäftigt um Sport zu treiben.“ „ich brauche keine Hilfe – ich schaffe das alleine“.

 

Doch Menschen ändern sich und oft kommt es vor, dass die Geschichte die wir über uns und unser Leben zurecht gelegt haben, nicht mehr unserer wahren Persönlichkeit entspricht. Und trotzdem hängen wir mit aller Kraft daran, da es einst hilfreich war. Ich habe lange geglaubt ich, bin kein häuslicher Typ, immer auf Reisen, immer auf Achse und mit kochen und putzen hatte ich nichts am Hut. Mittlerweile koche ich täglich und finde es wunderbar für mich zu sorgen. Und putzen finde ich manchmal sogar recht meditativ.

 

Eine Freundin von mir, die sich auch mit diesem Thema sehr beschäftigt, fragt mich mittlerweile oft im Gespräch: "ist das jetzt gerade wahr oder erzählst du schon wieder eine Geschichte?" – und oft ist es leider wirklich eine Geschichte die ich unbewusst erzähle…. 

 

 Zum Abschluss habe ich ein paar Fragen an dich:

 

  • Wie fühlt sich für dich Wahrheit an? Wie fühlt sich für dich Lüge an? Wie erkennst du den Unterschied?
  • Wann erzählst du Notlügen? Warum?
  • Was sind deine Werte – und kannst du diese in deinem Alltag, im Privaten und im Beruf leben?
  • Welche Geschichten erzählst du über dich?
  • Wenn du das nächste Mal einen gut gemeinten Rat erteilen willst frage dich zuerst: ist es wahr? Ist es hilfreich? Ist es besser als Schweigen.

 

Viel Spaß beim Nachdenken! Bis zum nächsten Mal!

Alles Liebe, Namasté

Angelika,

Deine Karma-Queen in spe