Warum Reinheit und Ordnung dir gut tut

 

 

In diesem Blogbeitrag machen wir wieder einen Ausflug in die Yogaphilosophie.

 

In vergangenen Beiträgen haben wir und schon mit der ersten Stufe auf dem Weg von Patanjali auseinandergesetzt: den Yama - unser Umgang mit der Welt.

 

Die nächsten 5 Stufen beschäftigen sich mit Niyama – unser Umgang mit uns selbst. Aufbauend auf den ersten Stufen, sollen uns die nächsten 5 Empfehlungen dazu motivieren achtsamer und bewusster mit uns selbst umzugehen mit dem Ziel ein entspanntes Leben zu führen.

 

Links findest du die Infografik zu diesem Weg, falls du dir einen Überblick verschaffen willst.

 

Die 3 Ebenen der Reinheit

Die erste Stufe der Niyama ist Shauca – welches für Reinheit steht. Hier geht es darum, alte Hüllen abzustreifen, freier und unabhängiger zu leben und sensibler dafür zu werden, was wir uns selbst zuführen – auf körperlicher und geistiger Ebene.

 

Bei Shauca geht es viel darum wahrzunehmen was ist und gegebenenfalls Änderungen herbeizuführen Reinigung hat uns bereits in der ersten Stufe begleitet: Gewaltlosigkeit reinigt z.B. unser Herz vor Zorn und Wut. Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit reinigen uns vor Lügen und großen Erwartungen. Das Nicht-Anhäufen von Dingen und die Begierdelosigkeit schützen uns davor zu viel zu wollen.

 

Reinigung kann man im Yoga auf 3 Ebenen betrachten:

  • Raum
  • Körper
  • Geist

Da jede Ebene umfassende Möglichkeiten zur persönlichen Weiterentwicklung bietet, beginne ich jeute mit der ersten Ebene:  Raum und die anderen beiden Ebenen Körper & Geist behandle ich in eigenen Beiträgen.

Reinheit und Raum

Ich weiß nicht wie es dir geht – aber mein äußeres Umfeld spiegelt immer mein Inneres wieder. Wenn ich also wie zum Beispiel im Moment viele Projekte, Gedanken, Aufträge und Ideen habe – dann siehst du das an meinem Arbeitsplatz. Da türmen sich Zettel, Bücher, Notizen, Zeitungsausschnitte, Magazine, Stifte und vieles mehr. Manchmal habe ich das Gefühl es überrollt oder erdrückt mich – genauso wie die Tatsache, dass ich mir vielleicht gerade zu viel aufgeladen habe (das passiert dem besten Yogi). Kritisch wird es, wenn es in mein restliches Leben überschwappt – mein Kleiderschrank explodiert und ich die Tür zum Abstellraum nicht mehr schließen kann.

 

Kommt dir das ein bisschen bekannt vor? Es muss nicht unbedingt arbeitsbedingt sein. Manchmal überladen wir unser Leben auch mit

eigentlich schönen Dingen – machen uns viele Treffen mit Freunden aus, sind viel unterwegs, gehen zum Sport und die Hausarbeit bleibt liegen – weil dafür haben wir ja nun wirklich keine Zeit! Aber fühlst du dich damit wohl? Kommst du gerne nach Hause? Oder läufst du vor etwas davon?

 

Es muss nicht immer Unordentlichkeit sein, die belastet. Manchmal ist es auch einfach die Anzahl an Dingen die uns die Luft zum Atmen nimmt. Viele Dinge zu haben, bedeutet für Menschen oft auch ein Gefühl der Sicherheit – wenn auch leider ein trügerisches. Viele Dinge zu besitzen heißt auch auf viele Dinge achten zu müssen – sie sauber und in Ordnung zu halten. Die Zen Philosophie geht davon aus, dass ein schlichtes Wohnumfeld hilft, den Geist klar zu halten. Indem wir nicht zu viele Möbel oder Bilder haben, kann sich der Geist besser auf das Wesentliche konzentrieren. Das kennen wir von uns selbst: Wo gefällt es dir besser: in einem Kaufhaus in dem die Regale überfüllt sind und alles zugestellt ist, oder eines indem weniger Dinge gut sichtbar sind. Wenn wir zu viele Dinge haben, können wir die Schönheit der einzelnen oft gar nicht mehr wahrnehmen.

 

Übrigens: Jeder Moment den du mit Ärger über die Wollmäuse unter dem Sofa verschwendest, ist ein verlorener Moment – einmal weggeräumt, und das ständige „darüber nachdenken“ fällt weg. Das heißt jetzt nicht, dass du nichts in der Wohnung haben sollst oder ständig putzen und staubsaugen musst – das kann zu einem obsessiven Verdrängungsmechanismus werden. Aber denke daran, dein Gesicht und deinen Körper hältst du ja auch sauber – selbst wenn es niemand sehen würde. Warum also nicht auch die Wohnung?

Sauberkeit zeigt dir, wieviel du dir selbst wert bist. Bist du es dir wert in einer sauberen, geordneten Umgebung zu leben?

 

Vielleicht bist du der Meinung du brauchst das kreative Chaos – das ist völlig ok – aber stimmt das wirklich?

 

Es gibt eine Achtsamkeitsübung, die lautet: „verlasse einen Raum so als hättest du ihn nie betreten – bzw. besser als du ihn

vorgefunden hast“. D.h. abends noch das Trinkglas abwaschen, die Decke auf der Couch zusammenfalten und Müll im Mistkübel entsorgen - du wirst dich am nächsten Morgen freuen den Raum zu betreten. Wenn wir gleich bzw. abends alles wieder wegräumen entlastet das auch unseren Geist für den Schlaf. Wir müssen nicht mehr dran denken das morgen zu tun und wir haben den Tag dadurch abgeschlossen.

 

Das gleiche gilt für das Bettenmachen am Morgen: die Nacht ist dadurch abgeschlossen – der Tag kann beginnen und wir haben dadurch bereits die erste Aufgabe des Tages erledigt. Laut Motivationsforschern der erste Schritt zur Disziplin.

Sauberkeit, Energie & Ordnung

Reinheit im Raum bezieht sich also auf drei Themenbereiche:

  1. Sauberkeit: sich selbst wertschätzen. Das kann übrigens auch eine Putzhilfe für dich erledigen, wenn du es gar nicht gerne machst oder die Zeit dafür nicht aufbringen möchtest - das ist große Wertschätzung für dich selbst.
  2. Energien in der Wohnung. Vielleicht gibt es in deiner Wohnung Erinnerungsstücke oder Dekoration die gar nicht mehr zu deinem Leben passen. Von einer verflossenen Liebe oder einem lang vergangenen Lebensabschnitt. Vielleicht wird es Zeit sich von diesen Energien zu verabschieden. Loszulassen – Platz zu schaffen.
  3. Ordnung & Struktur. Dadurch findest du Dinge leichter und verschwendest weniger Zeit mit Suchen. Reinheit kann auf vielen Ebenen Ärger ersparen: Ärger über dich selbst, weil du unordentlich bist. Ärger über die Dinge, weil du sie nie da sind wo du sie gerade brauchst. Ärger über deine Mitbewohner die immer alles liegen lassen.

 

Beginne schon heute dir ein paar Fragen zu stellen. Gehe dabei entspannt durch deine Wohnung und betrachte sie – ohne zu werten.

Frage dich:  Wie sehen meine Räume aus? Wie würden sie auf einen Fremden wirken? Wenn mich die Person nicht kennen würde - wie würde sie mich anhand meiner Räume beschreiben? Bin ich so? Will ich so sein?

Übe das auch selbst. Wenn du in neue Räume gehst – stell dir vor wer hier wohnt. Betrachte auch einmal die Wohnungen deiner Familienmitglieder und Freunde mit diesem Blick. Was würden die Räume sagen über sie aussagen, wenn du sie nicht kennen würdest?

 

Gehe nun noch einmal durch deine Räume und betrachte sie ganz genau mit eigenen Augen: Sind deine Räume überladen oder eher spartanisch? Sind sie gemütlich oder fühlen sie sich wie ein Museum an? Entsprechen sie dir und deinem Stil? Welche Farben hast du in deinen Räumen? Ist es sauber und geordnet? Überall? Oder nur dort wo es andere sehen können? Wie sieht es unter deinem Bett, in deinem Abstellraum und im Keller aus? Hast du vielleicht eine schöne Fassade und stapelst dahinter Dinge?

Chaos & Verstecke

Ich muss zugeben- ich habe Orte, die sind Chaos pur. Es sind Orte, die ich nicht ansehen muss, wenn ich nicht will – z.B. meine Abstellkammer. Von Zeit zu Zeit kremple ich die Ärmel hoch und ordne sie - und habe nachher eine unglaubliche Freude, wenn es wieder klar und strukturiert ist. Es sind Orte, wo ich Dinge hingebe, die ich eigentlich nicht brauche aber zum Wegschmeißen sind sie zu schade. Oder ich weiß nicht wem ich sie geben kann. Wer sie brauchen könnte. Hast du auch solche Orte und Dinge?

Ich habe erkannt, dass ich das oft mit anderen Bereichen in meinem Leben deckt. Dass ich in anderen Bereichen noch nicht bereit bin loszulassen und Platz zu machen um Neues hereinzulassen. Ein ganz typischer Bereich dafür ist für mich mein Kleiderschrank. Ich habe noch einige Kleidungsstücke aus denen ich körperlich aber auch persönlich entwachsen bin. Ich trage keine Miniröcke mehr wie mit 20 und ehrlich gesagt kaum mehr High Heels. Und trotzdem kann ich sie nicht wegschmeißen. Sie repräsentieren eine Seite an mir, die offensichtlich noch nicht loslassen kann. Hast du auch so eine Seite an dir? Was repräsentiert diese Seite in deiner Wohnung, in deinem Kleiderschrank?

Altlasten

Oft sehen wir Dinge auch gar nicht mehr, die wir in unserer Wohnung haben. Ich erinnere mich als ich bei meinem damaligen Freund das erste Mal in der Wohnung war. Schmetterlinge im Bauch. Neugierig. Und dann sah ich plötzlich ein Foto. Er mit einer anderen Frau. In liebevoller Umarmung. Da sind gleich einmal ein paar Schmetterlinge abgestürzt…. Nun spreche ich Dinge immer an und interpretiere nicht gerne. Auf meine Frage ob das seine Schwester ist (…und ja ich wusste er hatte keine…) meinte er: „Ach das ist meine Exfreundin –

das Foto sehe ich gar nicht mehr“… ok. Beim nächsten Besuch war das Foto weg und die Liebe konnte weiter wachsen. Was ich mit diesem Beispiel sagen möchte: Wir haben oft noch Dinge aus vergangenen Beziehungen, die wir gar nicht mehr wirklich wahrnehmen: Bilder, Geschenke, Erinnerungen. Die uns aber trotzdem in irgendeiner Form an die Vergangenheit binden und den Platz verstellen für neue Möglichkeiten. Schau einmal ob es in deiner Wohnung auch so etwas gibt. Das muss jetzt auch gar nicht unbedingt aus einer Liebesbeziehung sein. Vielleicht aus einer Lebensphase die abgeschlossen ist und die du loslassen solltest.

Neubeginn

Ich habe z.B. seit meiner Selbständigkeit zum Teil Homeoffice zum Teil Shared Office. Mein Homeoffice hatte immer den Anschein eines Hobbyraumes. Kein leistungsstarer Drucker, keine vernünftigen Ordner, ein kleiner Tisch – irgendwie Chaos und kein angenehmer Ort zum Arbeiten. Das habe ich heuer geändert, weil ich mir gedacht habe: es wird Zeit. Das Geschäft wächst und vielleicht sollte ich mich schön langsam auch als Unternehmer sehen und das nach außen zeigen. Ich liebe jetzt mein Büro zu Hause. Alles perfekt farblich geordnet, ein schönes großes Regal – ein großer Tisch um alle meine Ideen umsetzen zu können.

 

Vielleicht denkst du dir jetzt nach dem Gang durch deine Wohnung „Oh mein Gott – wo soll ich anfangen". Nun, mach einmal eine Liste von

allem was dich stört. Das können Kleinigkeiten sein – wie schmutzige Fenster (Fensterputzen steht ganz unten auf der Liste meiner Lieblingsbeschäftigungen), unordentliches Bad, überfüllter Kleiderschrank, ... Oder einfach nur der fehlende Knopf an deinem Herbstmantel (ja das steht auf meiner Liste). Vielleicht sind es aber auch große Sachen: Neue Wandfarbe, neues Sofa, neue Wohnung. Schreib einfach alles auf. Manche Dinge kann man noch nicht gleich ändern – aber es werden sich plötzlich Wege und Möglichkeiten zeigen, die zu einer Änderung führen werden. Energie folgt der Aufmerksamkeit. Wenn deine Aufmerksamkeit zielgerichtet und geordnet auf deine Wünsche ausgerichtet ist, werden Gelegenheiten kommen und du wirst sie auch sehen und wenn es passt, annehmen.

 

So, dass war unser erster Schritt auf dem Weg zur Reinheit. Wir haben schon begonnen die alten Hüllen ein Stück abzustreifen.

Falls dir das jetzt zu viele Fragen auf einmal waren: hier findest du eine Checkliste mit der du durch deine Wohnung

gehst und Veränderungspotential findest & abhakst.

 

Ich wünsch dir viel Spaß beim Verändern und freue mich, wenn du mich in einem Kommentar daran teilhaben lässt!

 

Bis bald!

Alles Liebe & Namasté

Angelika

Karma Queen in spe!