Wenn Erfolg müde macht und wie du wieder Energie gewinnst

Diese Woche gibt es einen Blogbeitrag von mir, zu dem mich die Dokumentation "Weitergehen" inspiriert hat.

 

Die Dokumentation hat für mich viele Fragen aufgeworfen:

Darf man müde sein, wenn man doch alles erreicht hat was man immer wollte? Wenn man das hat, wovon so viele träumen?

Wenn man seine Leidenschaft lebt?

Was kannst du mit einem Spitzensportler gemeinsam haben?

Wann und warum sollten wir die "Stopp" und "Reset" Taste drücken?

 

Ein sehr persönlicher Beitrag...

 

Gestern habe ich mir die Dokumentation  „Weitergehen“ über Gregor Schlierenzauers Weg aus der Krise angesehen und sehr viel Stoff zum Nachdenken bekommen. In dieser Dokumentation erzählt der Schisprungstar von der dunkelsten Zeit seines Lebens: nämlich der Zeit, in der das was er bis jetzt getan hat, plötzlich keinen Sinn und keine Freude mehr gemacht hat. Eine Zeit in der er einfach nur müde war.

Eine Zeit, geprägt von Verletzungen, Zweifel und Einsamkeit. Und er erzählt von seinem langen und harten Weg zurück.

 

Nun muss ich gestehen, ich bin kein großer Wintersportfan, weder aktiv noch passiv. Mit Schispringen habe ich mich noch nie beschäftigt

und ich fürchte ich habe noch keinen einzigen Wettbewerb im Fernsehen verfolgt.

 

Aber ich liebe die Geschichten von Ausnahmesportlern. Ich bewundere Athleten für ihr Talent, ihre Disziplin und ihr Durchhaltevermögen. Ich bin fasziniert von ihrem Willen ein Ziel zu erreichen, den vielen Trainingsstunden die sie absolvieren und die Art wie sie ihr ganzes Leben diesem Ziel widmen. Und ich staune oft, wie sie es schaffen nach Unfällen, Verletzungen und Niederlagen wieder aufzustehen und sich zurück kämpfen. Ich habe mir immer einige dieser Talente gewünscht - vor allem die Disziplin und den unbändigen Willen ein Ziel zu erreichen. Und diese unglaubliche Kraft und Energie die sie zu haben scheinen.

 

Und nun erzählt einer dieser Sportler wie müde er ist. Wieviel Kraft ihn dieser Weg gekostet hat. Dass er eigentlich gar nicht mehr

weiß, wofür er das Ganze auf sich nimmt. Dass die Freude auf dem Weg verloren gegangen ist.

 

Beim Zuschauen habe ich mir gedacht: "das kenne ich". Denn, man muss keine Spitzensportler sein, um sich Zielen zu verschreiben – sie mit aller Kraft zu verfolgen und irgendwann festzustellen, dass man müde ist. Aber darf man müde sein, wenn man doch alles erreicht hat was man immer wollte? Wenn man das hat, wovon so viele träumen? Wenn man seine Leidenschaft lebt?

Ist man dann nicht undankbar?

 

Vielleicht hast du selbst in den letzten Jahren ein Ziel verfolgt - mit aller Leidenschaft, Freude und Enthusiasmus. Du hast viel erreicht – bist genau auf Plan, und plötzlich… müde. Auf einmal tauchen Fragen auf wie: "War es das wert?" und "Macht es mir noch Spaß?"

Dabei ist es egal ob es dein Ziel war ein Unternehmen aufzubauen, eine sportliche Leistung zu erbringen oder eine Familie zu gründen.

 

Darf man eigentlich sein Kind lieben und trotzdem einfach müde sein und sich manchmal ganz weit weg wünschen?

Und darf man seine Leidenschaft, seinen Traum erfolgreich zum Beruf gemacht haben und morgens aufwachen und sich denken: „Ich will das nicht mehr“?

 

Vielleicht merkst du schon, ich spreche da ein wenig von mir…

Nicht was die Kinder betrifft – sondern die Leidenschaft, die ich zum profitablen Beruf gemacht habe. Als ich vor 6 Jahren mein Unternehmen Yogic Mind gegründet habe, wollte ich eins: Menschen mit Yoga zu einem entspannten Leben verhelfen.

Die Stimmen waren damals sehr verhalten… "Wie willst du davon leben? Yogalehrer gibt’s doch schon 1000e. Du hast doch was gescheites gelernt. Naja, du kannst ja immer wieder in deinen alten Job zurück. "

Aber ich war mir sicher: Ganz oder gar nicht. Zurück gibt’s nicht.

 

Ich habe alles in dieses Ziel gesteckt: Vom Yoga gut leben zu können, im Sommer zwei Monate frei zu haben um zu Reisen zu und mich generell nie zu stressen. Und es ist auch so geworden. Über die letzten 6 Jahre habe ich Firmen als Stammkunden gewonnen, die mir langfristige Aufträge gegeben haben, ich habe treue Yogaschüler, die regelmäßig in meine Kurse kommen und nebenbei auch noch begonnen Seminare und Workshops zu leiten und Vorträge zu halten. Im Sommer hatte ich bisher immer frei – das war auch nötig,

weil ich war dann schon ein wenig ausgelaugt… Denn was man bedenken muss, wenn ich im Sommer zwei Monate frei habe, muss ich das Geld im restlichen Jahr verdienen. Dann fällt noch die Zeit rund um Weihnachten und Neujahr weg, also bleiben noch ca. 9 Monate übrig. Krankwerden stand ohnehin nie zur Debatte (das habe ich auch immer über Silvester erledigt.)

 

Es waren tolle 6 Jahre: Jahr für Jahr haben die Aufträge zugenommen, wurden besser bezahlt und es ist Stabilität und Sicherheit in meinen Selbständigen-Alltag gekommen. Es hat mir nichts ausgemacht ständig zu Kursen und Workshops unterwegs zu sein, ich hatte immer das Gefühl, „ich arbeite ja gar nicht“ – denn es war ja etwas an dem ich aus ganzem Herzen Freude hatte. Bis ich mir heuer zum Ende des Sommers, also vor der sehr intensiven Herbst-Saison, gedacht habe: "Ich will nicht mehr."

 

Im ersten Augenblick war ich über diesen Gedanken sehr erstaunt! Wie, ich will nicht mehr? Das war doch mein Traum? Ich bin genau da wo ich hinwollte. Ich habe volle Auftragsbücher bis Ende des Jahres und auch schon für 2018.

 

Ich habe damals meinen Kalender angesehen und mir gedacht – "ok, ich halte 4 Monate durch, dann kann ich mich ausruhen…"

Jetzt muss ich dazu erklären: ich habe meinen Kalender nach Farben sortiert. Alles was mit meinem Job zu tun hat und auch bezahlt wird ist gelb. Was mit meinem Job zu tun hat aber eher strategisch ist, also noch kein Geld bringt, ist blau. Private Kontakte sind rosa und Bewegung /Sport ist grün. Ich schaue immer dass alles ausgewogen ist, weil ich weiß: dann geht es mir gut. Und wenn ich jetzt so die letzten Wochen in meinem Kalender anschaue ist zu ca 75% gelb (sehr fein – bringt Geld) und 20% blau – ich habe einige Ziele für nächstes Jahr die noch kein Geld bringen. Ganz wenig rosa (vielleicht einmal pro Woche) und kaum grün.

Kein Wunder, dass ich müde bin.

 

Keine Sorge, ich habe bei weitem kein Burnout – aber ich sehe jetzt wieviel Kraft mir die letzten 6 Jahre gekostet haben. Bei aller Freude die mir der Aufbau gemacht hat, und der Zufriedenheit die Ziele erreicht zu haben. Und deshalb kann ich Gregor Schlierenzauer absolut verstehen – auch wenn meine Leistung in keinster Weise mit seiner vergleichbar ist.

 

Es stellt sich in der Dokumentation die Frage: darf ich einfach Mal auf Pause drücken? Oder darf ich es nur dann, wenn mich mein Körper

dazu zwingt? Wo ist die spielerische Leichtigkeit abhanden gekommen? Die Freude am Tun – statt der Notwendigkeit des Gewinnens oder Geldverdienens?

 

Vielleicht kennst du das ja selbst, dass wenn man etwas länger macht, wird es oft zur Routine. Plötzlich ist die Leichtigkeit weg.

 

Was passiert wirklich, wenn wir einfach die Stopp Taste drücken? Werden dann alle Erfolge gelöscht? Müssen wir noch einmal von vorne anfangen?  Haben wir die Kraft dazu?

 

Ich habe mir alle diese Fragen schon vor ein paar Wochen gestellt, bevor ich die Dokumentation gesehen habe – deshalb hat sie mich

vermutlich besonders angesprochen. Ich habe angefangen innezuhalten, zu hinterfragen und umzudenken. Muss es denn wirklich immer "ganz oder gar nicht" sein?  Kann ich nicht einfach nur in manchen Bereichen die Stopp Taste drücken?

 

Ich habe für mich beschlossen 2018 noch einmal Reset und Restart  zu drücken. Nicht alles verwerfen und ganz neu zu starten aber die Wege umzuleiten. Mir erlauben meinen eigenen Rhythmus zu leben.

 

Und plötzlich ist sie wieder da: die Kraft, die Freude und der unglaubliche Wille dieses Ziel zu erreichen.

Ich kann es spüren: das warme Gefühl in der Brust, das Strahlen in den Augen und die Sicherheit, dass es ein unheimlich spannendes Jahr wird.

 

Wie sieht es bei dir aus?

  • Was spürst du?
  • Traust du dich auf Stopp zu drücken?
  • Was hast du zu verlieren?
  • Was könntest du gewinnen?

 

Lass mich teilhaben an deinen Gedanken, Zielen und Wünschen! Ich freue mich über deine Kommentare.

 

Alles Liebe & Namasté

Angelika

Karma Queen in spe

 

PS: falls du die Dokumentation nicht gesehen hast: Hier der Link zur Doku bei RedBull TV