Wie du dein Energiekonto im Plus behältst

 

Lebst du dein Leben manchmal auf Kredit?

Gibst du oft 110% im Job, in der Beziehung, beim Sport?

Planst du Erholung für später, wenn du Zeit hast?

 

In diesem Blogbeitrag erfährst du, warum Mäßigung der Schlüssel zur Gesundheit ist und warum man Energie mit Geld vergleichen kann.

 

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 Dieser Beitrag gehört zur Reihe "Wo geht es hier zur Erleuchtung?" In dieser Blogreihe beleuchte ich den 8stufigen Pfad

von Patanjali. Im Moment geht es darum unseren Umgang mit der Welt näher zu betrachten – mit zahlreichen Tipps und Anregungen für das tägliche Leben. 

 

Wir haben in den vergangenen Beiträgen bereits die Stufen "Ahimsa - Gewaltlosigkeit", "Satya - Ehrlichkeit & Wahrhaftigkeit" und "Asteya -

Begierdelosigkeit" geschafft und stehen nun auf der nächsten Stufe der großen Herausforderung  "Brahmacharya - Mäßigung"  gegenüber. 

Was bedeutet Brahmacharya?

Brahmacharya wird sehr unterschiedlich ausgelegt. Im engsten Sinne wird es als Enthaltsamkeit, ja sogar Zölibat definiert, wobei die Wurzel dessen eher in der puritanischen Auslegung der yogischen Regeln liegt. Und falls du vielleicht Interviews mit verschiedenen männlichen Yogagurus gehört hast, die mit ihrer sexuellen Leistungsfähigkeit dank Yoga prahlen, kannst du dir vorstellen, dass man in der Auslegung von Brahmacharya offensichtlich sehr großzügig ist.

 

Im Gegensatz zu verschiedenen Religionen geht es im Yoga jedoch nicht darum die Sexualität zu verdammen, sondern um die Wertschätzung und das Bewusstsein ihrer Kraft. Viele Beziehungen basieren auf dem Wunsch nach Selbstbestätigung und Ablenkung und dadurch bekommen sie häufig einen destruktiven Charakter. Brahmacarya will dich dazu anregen deine Beziehungen sorgsamer auszuwählen.

Mäßigung in Zeiten des Überflusses

Allgemein meint Brahmacharya Mäßigung und Gleichgewicht, mit dem Ziel ein ausgeglichenes Leben zu führen. Es ist eine Kunst, in einer Zeit von Überfluss und ständiger Verfügbarkeit von Dingen, Essen, Unterhaltung, menschlichem Kontakt und vielem mehr das für sich passende Gleichgewicht zu finden. Im Westen sind wir es gewohnt unsere Bedürfnisse sofort zu befriedigen. Wenn du Hunger hast, gibt es an jeder Ecke etwas zu kaufen. Wenn du etwas im Schaufenster siehst, dass dir gefällt kannst du es sofort haben – notfalls auf Kredit. Und wenn dir nachts langweilig ist, bleibt immer noch die Unterhaltung via Internet.

 

Die Konsequenz: viele Menschen kämpfen mit den Folgen des Überflusses. Sie hadern mit ihrem Gewicht, dem überquellenden Kleiderschrank, dem dicken Minus am Konto und nicht zuletzt der fehlenden Energie und schlechter Gesundheit. Denn durch ständige Ablenkung verpassen wir oft auf unseren Körper, unsere Gefühle und unsere Bedürfnisse zu hören.

 

Hast du dich schon  einmal gefragt, warum du jetzt gerade eine ganze Packung Chips essen musst?

Welches Bedürfnis das neue Auto befriedigen soll?

Welche Leere das neueste Handy füllt?

 

Brahmacarya soll uns helfen unsere Energien maß- und sinnvoll einzuteilen, damit wir lernen Energie zu tanken, noch bevor sie erschöpft ist. Nun kann man sagen, dass es heute ja viel schwieriger ist, mit all den Verlockungen und Möglichkeiten. Aber Patanjali lebte vor vielen hunderten von Jahren – das Problem der Zerstreuung und Ablenkung um sich nicht mit dem Wesentlichen beschäftigen zu müssen ist also nicht neu. 

Leben im Rhythmus der Natur

Was wir leider verlernt haben, ist mit der Natur zu Leben. Durch die moderne Technologie sind wir nicht mehr an Zeitzonen, Tageslicht oder Erntezeiten gebunden. Vor allem im Winter sind wir oft völlig losgelöst von unserem Rhythmus, wenn wir das Haus im Dunkeln verlassen, den ganzen Tag bei künstlichem Licht verbringen und im Dunkeln wieder nach Hause kommen.

 

Mir war das früher gar nicht so bewusst, bis ich im Jahr 2009 einmal eine längere Auszeit genommen und bewusst Frühling, Sommer und Herbst erlebt habe. Ich habe damals am Rande eines Weingebietes gewohnt und vorher noch nie wahrgenommen wie sich die Natur entwickelt. Das war der Moment in dem ich für mich selbst beschlossen habe, aus dem typischen Arbeitsrhythmus von 9 to 5,  was meistens eher ein 8 to 8 geworden ist, auszusteigen.

 

Neben meiner Tätigkeit als Yogalehrer gebe ich auch Gesundheitsseminare und Workshops zu verschiedenen Themen. Eines davon befasst sich mit dem Thema „Schlaf“, da fast ein Drittel der Österreichischen Bevölkerung unter Schlafstörungen leidet. Einer der Vorschläge an meine Teilnehmer ist es, abends eine Stunde vor dem Schlafengehen Ruhe einkehren zu lassen – das bedeutet kein Fernsehen, kein Internet, keine Handy. Und was glaubst du, ist immer die erste Reaktion?

 

„Aber was soll ich denn dann machen?“

 

Ist das nicht erschreckend? Viele Menschen können sich einen Abend ohne Ablenkung gar nicht vorstellen. Wenn ich dann frage ob sie, wenn sie am Meer im Urlaub sind auch Fernsehen, sagen sie: "Natürlich nicht!" Ob ihnen dann langweilig ist? "Nein…".  Ok – also

gäbe es ja durchaus andere Möglichkeiten den Abend zu verbringen: Sich mit der Familie unterhalten. Früher schlafen gehen. Ein Buch lesen. Ein Bad nehmen...

 

Was ich damit sagen möchte: Brahmacharya soll uns zeigen, in welchen Bereichen wir schon abgestumpft sind und Dinge aus Gewohnheit im Übermaß konsumieren. Und es will uns helfen Alternativen zu finden. 

Achtsames Essen

Im Yoga versuchen wir immer ein Gleichgewicht der Energien herzustellen. Deshalb ist eine Empfehlung für bessere Gesundheit sich nie ganz voll zu essen, sondern am Besten den Magen zu ¾ füllen. Ich weiß, das ist ein wenig schwierig, denn wann ist mein Magen ¾  voll?Wir haben oft kein Gefühl mehr dafür, wann wir satt sind.

 

Ich selbst musste das erst lernen und zwar durch achtsames Essen. Achtsames Essen bedeutet, du richtest dir den Esstisch

auch für dich alleine so her, als hättest du einen wichtigen Gast zu Besuch: schöne Teller, Besteck, Servietten- vielleicht sogar Kerzen. Dann nimmst du dir eine Portion (Betonung liegt hier auf EINE) und isst sie ganz bewusst – ohne Fernseher, Buch oder sonstige Ablenkung.

 

Dadurch schmeckst du erst einmal was in deinem Essen ist: die Zutaten, die Gewürze. Lege das Besteck zwischendurch aus der Hand und spüre nach ob du vielleicht schon satt bist. Du wirst einen anderen Bezug zum Essen entwickeln.

 

Als ich damit begonnen habe, ist es mir gar nicht leicht gefallen. Zum einen habe ich mich einsam gefühlt, so ganz alleine am Tisch. Ich war es ja gewohnt mich nebenbei zu unterhalten oder fernzusehen oder zu lesen. Anfangs habe ich die Mahlzeiten irgendwie hinter mich gebracht. Aber bald habe ich es zu schätzen gelernt. Und der große Vorteil: wenn du dich so dem Essen widmest, stopfst du nicht

irgendwelchen Müll in dich hinein – du willst, dass es schmeckt. Du setzt dich auch nicht mit einer Handvoll Chips auf dem Teller alleine an den Esstisch.

 

Ich werde oft gefragt ob ich das immer mache. Nein, nicht immer - ich bin ja auch nur ein Mensch...  Hin und wieder überfallen mich die Chips-Gelüste beim DVD schauen. Aber wie eine Kräuterlehrerin einmal zu mir gesagt hat: zu viel Gesundheit ist nicht gut – der Körper muss ja auch kämpfen lernen 😉.

 

Es geht nicht darum sich etwas zu versagen, sich zu kasteien und nur mehr streng nach Regeln zu leben. Das wäre ja furchtbar. Sei doch froh dass dein Leben so viel zu bieten hat. Genieße es!  Aber bleibe dabei bewusst: was du konsumierst, wieviel und warum.

Vergleiche Energie mit Geld

Man kann Energien im Körper gut mit Geld vergleichen. Viele von uns leben auf Kredit. Monetär aber auch körperlich.

„Ich ruhe mich aus wenn die anstrengende Phase vorbei ist“.

„Ich muss in diesem Projekt 120% geben, sonst verliere ich den Kunden“…

Hast du dir schon manchmal so etwas gedacht?

 

Aber welche Zinsen zahlst du für den Energievorschuss? Hast du die Energie vorher angespart?

 

Ein Bauer kann auch nicht Kartoffeln pflanzen und dann von der Natur einen Vorschuss nehmen bis sie wachsen. Und genau so ist es mit deiner körperlichen Energie.

 

Ich glaube, dass wir im Leben sehr gut unterwegs sind, wenn wir immer 80% geben – dann haben wir nämlich noch einen Puffer, wenn es

wirklich nötig ist.

Betrachte dein Energiekonto

Schau dir dein Energiekonto einmal ganz genau an - so als wären es deine Finanzen:

  • Wofür verwendest du deine Energie?
  • Wieviel % davon fließen in die Arbeit, den Spaß, in das Wohl anderer, in deine persönliche Entwicklung, in die Liebe – zum Leben, zu anderen Menschen, zu dem was du tust?
  • Ist deine Energie gut angelegt?
  • Bekommst du bei deinen Energie-Investitionen etwas zurück? 
  • Bleibt dir etwas übrig für schwierige Zeiten?
  • Wo vergeudest du Energie? Mit deiner Ernährung in dem du zu viel isst und deine Verdauung überforderst? Oder in dem du den Körper mit Diäten quälst?
  • Wie fühlst du dich nach mehreren Stunden Fernsehen?
  • Sitzt du unter der Woche viel und holst die Bewegung mit exzessivem Sport am Wochenende nach?

 

Nimm Brahmacharya als Chance dein Leben einmal ganz genau anzuschauen und dein Energiekonto ins Plus zu bringen!

Beginne dich selbst zu beobachten um zu sehen, wo du vielleicht Mäßigung walten lassen könntest.

Wann fühlst du den Drang zum Überfluss? Beim Einkaufen, Essen, Sport, Fernsehen, Unterhaltung? Bei dem Einen ist es vielleicht die Schokolade, beim Anderen die Suche nach der nächsten Aufregung oder nach dem Traumprinzen.

 

Was ist es bei dir?

 

Fragen über Fragen 😉.  Ich hoffe, ich habe dir ein paar Denkanstöße gegeben und würde mich über Feedback von dir sehr freuen – hier im Blog, auf Facebook oder per email an a.ployer@yogicmind.at

 

Bis zum nächsten Mal!

 

Alles Liebe, Namasté

Angelika ,

deine Karma-Queen in spe