Wie erwachsen bist du?

 

In diesem Blogbeitrag geht es um die Frage: 

Was bedeutet "Erwachsen sein" überhaupt?

 

Wie sehr beeinflussen unsere Einstellungen und Glaubenssätze die Situationen in die wir immer wieder geraten und welche Kompetenzen brauchen wir um ein glückliches Leben zu führen?

 

Bedeutet erwachsen sein, dem Ernst des Lebens gegenüber zu stehen oder komplett frei zu sein? Vielleicht beides? Vielleicht ein Kompromiss? 

Lerne deine inneren Anteile kennen und warum du vielleicht manchmal doch wie deine Mutter bist...

 

Den Beitrag gibt es zum Lesen oder zum Hören:

 

Ausgangslage

Mein Start in das Jahr 2018 war ein wenig zögerlich, da mir eine Grippe dabei geholfen hat das Jahr ruhig anzugehen…. Kennst du das? Man nimmt sich vor voller Elan und Energie und mit tausend Plänen loszulegen, freut sich schon drauf, hat alles vorbereitet und dann ... dicker Kopf, triefende Nase und gerade genug Energie um sich in der Küche einen Tee zu holen.

 

Grundsätzlich finde ich krank sein nicht dramatisch. Eine Grippe kann man ja grundsätzlich auch als Chance zur Ruhe sehen um sich einfach Mal erholen. Grundsätzlich…. Wenn da nicht das Gefühl wäre, der ärmste und einsamste Mensch zu sein, wenn man krank ist. Und nein, das gilt nicht nur für Männergrippe! Wenn ich krank bin, fühle ich mich wieder wie ein kleines Kind, dass gerne bemuttert werden würde. Blöd nur, dass das mit 41 keine Option mehr ist.

 

Aber dieses Gefühl, gerne wieder Mal wie ein Kind versorgt zu werden hat mich dazu gebracht, mich mit genau diesem Thema auseinander zu setzen und folgende Fragen zu stellen:

 

  • Bin ich eigentlich erwachsen?
  • Was bedeutet erwachsen sein überhaupt?

 

Ich treffe immer wieder Menschen (interessanterweise meistens Männer….) die sagen: „Ich möchte nicht erwachsen sein“ und sich auch so verhalten. Ständig auf Achse, extrem sportlich, viel Abenteuer, und eher unverbindliche Beziehungen – mit einem Wort: freiheitsliebend. Als ich das das erste Mal gehört habe, dachte ich mir: „Also ich bin sehr gerne erwachsen – denn das bedeutet ich kann eigene Entscheidungen treffen.“ Als Kind haben immer andere über mich bestimmt. Aber als ich so krank im Bett lag und einige Bücher

zu dem Thema las, musste ich feststellen: so ganz 100%ig erwachsen bin ich auch nicht…

 

Es waren vor allem 2 Bücher die mich sehr zum Nachdenken gebracht haben: „Der unbewusste Lebensplan“ von Almut Schmale-Riedel und das Buch „Erwachsen“ von Ashley Davis Prend.

Kompetenzen für ein glückliches Leben

Im ersten geht es um die Transaktionsanalyse nach Eric Berne – ein aus meiner Sicht sehr interessantes psychologisches Konzept, welches sich unter anderem mit unseren Glaubenssätzen und Einstellungen auseinandersetzt und ihre Ursachen erforscht. Das Ziel ist es, Autonomie zu erreichen, um ein selbstbestimmtes und selbstverantwortliches Leben zu führen.

 

Dafür sind folgende Kompetenzen von Bedeutung:

  1. Bewusstheit: d.h. zu wissen wer man ist und warum man die Dinge tut wie man sie tut. Eine Kompetenz die durch Yoga, Meditation und Achtsamkeit sehr gefördert wird.
  2. Spontanität: Die Fähigkeit, auf unvorhergesehenes angemessen reagieren zu können. Wann immer wir unsere Komfortzone hinaustreten und etwas Neues wagen stärken wir diese Kompetenz.
  3. Intimität: Hier geht es darum, wie sehr ich mich auf andere und die Welt einlassen kann. Wie gestalte ich meine Beziehungen? Wie authentisch, ehrlich und offen bin ich in meinen Beziehungen – in der Familie, mit Freunden, am Arbeitsplatz, … ? Erlaube ich mir so zu sein wie ich bin? Bin ich genug? Auch das übrigens eine Frage, die im Yoga eindeutig mit Ja beantwortet wird.

 

Ein wichtiger Punkt in diesem Konzept ist die Verantwortlichkeit, also die Fähigkeit Verantwortung für Entscheidungen und Gefühle zu übernehmen. Dafür müssen wir uns unsere Gefühle oft erst bewusst machen und ihre Ursachen erforschen - und das ist nicht immer einfach. Wie oft passiert es, dass jemand etwas zu dir sagt das bei dir sofort Widerstand hervorruft? Vielleicht ist es nur die Wortwahl

oder ein Inhalt, den du mit negativen Erlebnissen aus deiner Kindheit verbindest. Dieses Gefühl hat mit heute gar nichts mehr zu tun – und doch beeinflusst es dich. Vielleicht hatten wir als Kind das Gefühl nur dann geliebt zu werden, wenn wir besonders brav waren oder eine gute Leistung erbracht haben – und übertragen dies unbewusst in unsere Erwachsenenbeziehungen. Vielleicht wurden wir aber auch nur wahrgenommen, wenn wir Unfug machten oder laut waren – und überschreiten somit auch heute noch oft Grenzen und ecken gerne an. Es geht hierbei nicht darum ob ein Verhalten gut oder schlecht ist, es geht vielmehr darum, sich bewusst zu machen wo die Ursachen liegen und ob sie für mich heute noch förderlich sind.

Muster

Vielleicht hast du manchmal das Gefühl, immer wieder in die gleichen Situationen zu geraten?

Immer an den gleichen Typ Mann oder Frau?

Immer ähnliche Situationen im Arbeitsumfeld?

 

Nimm dir einmal kurz Zeit und überlege ob es bei dir ein Muster gibt.

 

Ich habe zum Beispiel festgestellt, dass ich kein Gruppenmensch bin. Ich hatte nie eine Clique, sondern immer mehrere „Einzelfreunde“. Das hat sich auch im Arbeitsalltag so weiter vollzogen: Ich war als Verkäufer, Führungskraft, Lehrer immer ein wenig außerhalb

der Gruppe. Ich habe auch immer Sportarten betrieben die keine Gruppendynamik benötigen, war nie Teil einer Mannschaft. Und hatte dadurch oft das Gefühl, dass mir die Zugehörigkeit fehlt. Es war keine dramatische Leere – aber immer ein schleichendes Gefühl, dass das nicht normal ist. Dass Menschen doch die Gruppe brauchen. Und interessanterweise: wann immer ich versucht habe mich in Gruppen zu integrieren, hat es meist trotzdem dazu geführt, dass sich wieder Einzelbeziehungen oder Jobmöglichkeiten ergeben

haben, die mich eben nicht Teil der Gruppe sein ließen. Erst durch Yoga und Meditation habe ich erkannt, dass das aber genau das ist was ich für mein Glücklichsein brauche. Ich komme aus einer großen Familie – wann immer wir uns früher bei meiner Großmutter getroffen haben, musste man schnell sein um noch einen Sitzplatz zu bekommen 😉. Für die Bedürfnisse oder Gedanken des Einzelnen

war da nicht viel Platz. Vermutlich schätze ich deshalb die 1:1 Beziehung, nicht immer in der Gruppe sein. Sobald ich das akzeptiert habe, und nicht zwanghaft zu ändern versucht habe, habe ich plötzlich für mich passende Gruppen gefunden.

Was sich geändert hat, war meine Einstellung und das Verständnis für meine Bedürfnisse.

 

Wie sieht es bei dir aus? Welche Muster hast du?

 

Gemäß der Idee der Transaktionsanalyse haben wir 3 Anteile in uns:

  • Das Eltern-Ich
  • Das Erwachsenen-Ich
  • Das Kind-Ich

Angsthase oder Drama Queen?

Das Kind-Ich bemerken wir besonders dann, wenn wir Verhaltensweisen an den Tag legen, die man als kleines Kind hatte. Ein typisches Beispiel bei mir: Zahnarztbesuch. In meiner Kindheit war der Zahnarztbesuch immer furchtbar und hat immer weh getan (zumindest habe ich es so in Erinnerung). Auch wenn diese Zeiten lang vorbei sind, wurde ich jedes Mal zum Kind wenn ich mich in den Stuhl setzte. Ich hatte Angst, verkrampfte mich und hätte am liebsten geweint. Bis eines Tages die Assistentin meine Hand genommen hatte und wie zu einem Kind sagte „Sie machen das ganz brav“ – und ich mir gedacht habe „Oh mein Gott, ich bin eine erwachsene Frau – so geht das gar nicht“. Seitdem mache ich mir immer wieder bewusst, dass die Zahnärzte meiner Kindheit nichts mit heute zu tun haben. Dass ich so viele Betäubungsmittel haben kann wie ich will und es in Wirklichkeit nie weh tut. Seitdem gehe ich als Erwachsener zum Zahnarzt.

 

Welche Kindheitsängste hast du, die dich heute noch beschäftigen?

Vielleicht hast du Angst vor Hunden, stehst nicht gern im Mittelpunkt, hast Angst dich zu blamieren? Wann immer du das nächste Mal etwas fürchtest und dich wie ein Kind verhältst, überlege einmal ob diese Angst vielleicht in die Vergangenheit gehört und mir heute gar nichts zu tun hat.

 

Vielleicht bist du aber auch ab und zu ein wenig Drama-Queen und möchtest dadurch Aufmerksamkeit? Da sehe ich mich wieder mit 5 Jahren: Hände in die Hüften, Unterlippe nach vorne geschoben und mit dem Fuß aufstampfend, weil ich nicht das bekommen habe was ich wollte. Für mich ist es gerade sehr leicht meine Kindheitsmomente zu erkennen, da ich eine entzückende Nichte habe, die von der Familie als mein „Mini-Me“ bezeichnet wird. Sie sieht tatsächlich genau so aus wie ich mit 5 und ich kann all ihr Emotionen sehr

nachvollziehen 😉. Wann immer du überreagierst, denke einmal zurück, ob das nicht dein kleines Mini-Me ist, das gerade Aufmerksamkeit möchte.

"Du bist wie deine Mutter!"

Unser Eltern-Ich macht sich immer dann bemerkbar, wenn wir unbewusst so sprechen und uns so verhalten wie unsere Bezugs- oder Erziehungspersonen früher. Vielleicht hat schon mal jemand zu dir gesagt: „du bist wie deine Mutter“? In den meisten Fällen ist das leider nicht lobend gemeint. Zu mir sagte vor kurzem meine Nichte: „Man kann nicht alles haben“ und das hat mich sofort an meine Mutter erinnert. Da sie viel Zeit mit ihrer Oma verbringt, übernimmt sie natürlich Aussagen und Einstellungen.

 

Welche Glaubenssätze und Einstellungen hast du von deinen Eltern übernommen?

Stimmen die heute für dich noch?

 

Ich habe mich erst gestern dabei ertappt, dass ich einer Freundin erzählt habe, dass ich mir eine wunderschöne Marken-Sporttasche gegönnt habe. Mit dem sofortigen Zusatz: „War aber im Ausverkauf – Minus 50%“. Dabei ist mir bewusst geworden, dass ich das von zu Hause übernommen habe. Ich komme aus einer sehr sparsamen Familie. Wann immer wir uns etwas Neues kaufen, sagen wir sofort dass es günstig, im Ausverkauf oder ein Schnäppchen war – als automatische Rechtfertigung. Nun war das früher vielleicht für meine Eltern wichtig, da das Geld knapp war – aber ich kann mir heute die Dinge die ich haben möchte ruhig gönnen. Und trotzdem habe ich das unbewusste Muster mich rechtfertigen zu müssen.

 

Hast du auch so ein Muster?

im Hier und Jetzt

Unser Erwachsenen-Ich ist jener Persönlichkeitsanteil der in der Gegenwart lebt. Der ohne Vorurteile und Beeinflussungen die Realität anerkennt und entsprechend agiert. Wenn wir im Erwachsenen-Ich sind, erkennen wir die Muster aus der Vergangenheit. Nehmen sie

an und passen sie gegebenenfalls an die heutige Situation an. Wir sind hier aber nicht im Robotermodus – wir haben auch hier alle Gefühle: Freude, Wut, Angst, Einsamkeit,… – nur eben an die heutige Zeit und die aktuelle Situation angepasst.

Mangel oder Fülle

Nun können wir uns vornehmen – ok, ab heute bin ich nur im Erwachsenen-ich! Hmmm das wird schwer gelingen. Unser Kind-ich kann ja auch wunderbar sein! Nicht umsonst gab es die Bewegung „Entdecke dein inneres Kind“ und „Lebe dein inneres Kind“ – ja, warum nicht? Denn die kindliche Entdeckungsfreude kann ja auch Spaß machen! Die Unterscheidung ist hier laut dem Buch „Erwachsen“ nur die Frage ob gerade dein „Wunderkind“ oder dein „verletztes inneres Kind“ dominiert. Dein Wunderkind sieht die Welt wie einen großen Spielplatz mit allen Möglichkeiten, Geheimnissen und Zauber – es erkennt die Fülle der Möglichkeiten. Das verletzte innere Kind spürt einen Mangel, einen Schmerz und eine Angst – und versucht diese zu vermeiden. Wann immer du also das Gefühl hast die Welt ist voller Zauber und Schönheit – genieße es. Und wenn du dich gerade unverstanden fühlst – frage dich, was würde ich als Erwachsener brauchen um diese Leere zu füllen.

 

Erinnerst du dich noch an die Einstiegsfragen? Zur Erinnerung:

Bin ich eigentlich erwachsen?

Was bedeutet erwachsen sein überhaupt?

 

Beantwortest du die Fragen nun anders? Ist Erwachsen-sein nicht doch etwas richtig Schönes? Wie sieht es mit deinen Kompetenzen aus? Wie verantwortlich fühlst du dich für dein Leben?

 

Ich habe manchmal das Gefühl, dass wir „Erwachsen sein“ mit dem „Ernst des Lebens“ verwechseln – so haben es uns die Eltern vielleicht auch vorgelebt. Dies führt zu einer Generation die gerne ein wenig unverbindlich bleibt. Man schickt lieber eine WhatsApp Nachricht als anzurufen, denn dann muss man nicht gleich eine verbindliche Antwort geben. Wir scheuen Bindungen, weil wir lieber frei sein wollen. Aber schließt das eine das andere wirklich aus?

 

Ich wünsche dir viel Freude und spannende Erkenntnisse beim Aufdecken deiner Verhaltensmuster, Glaubenssätze.

Überlege ohne zu bewerten: Wo kommt das her? Tut es mir heute noch gut? Wie kann ich glücklich und stressfrei leben? Wie kann ich mehr Bewusstheit, Spontanität und Intimität in mein Leben holen? Wie kann ich mein Wunderkind auch als Erwachsener leben?

 

Vielleicht fragst du dich bei manchen meiner Podcast- oder Blogbeiträgen „Was hat das eigentlich mit Yoga zu tun?“ Meine Antwort: „Alles“. Denn durch Yoga und Meditation findest du die Ruhe, den Mut und die Klarheit einmal genau hinzuschauen und ehrlich zu dir selbst zu sein. Mit dem Wissen, dass alles gut ist so wie es ist und dass du immer genug bist.

 

Wie immer: mich interessieren deine Gedanken zu diesem Thema – teil sie doch mit mir: in den Kommentaren, auf Facebook oder schreib mir eine mail. Wenn du Lust hast, schau auf meiner Webseite vorbei: www.yogicmind.at und hol dir noch mehr Inspiration.

 

Bis zum nächsten Mal!

Alles Liebe & Namasté

Angelika

Karma Queen in spe