Wo geht es zur Erleuchtung?

 

 

Kennst du die Bilder der friedlich und glücklich lächelnden Yogis, die eins mit sich und der Welt zu sein scheinen? Haben sie das Ziel des Yoga - die Erleuchtung - erreicht? Was bedeutet überhaupt Erleuchtung? Wie komme ich da hin? Und will ich das überhaupt....? Ein Erklärungsansatz

 

Solltest du den Beitrag lieber hören, hier geht's zur Audio Version.

Wenn ich dich bitte, einmal an das klassische Bild eines Yogis zu denken, dann wirst du vermutlich eine Person vor dir sehen, die entspannt lächelnd im Lotossitz  unter strahlenden blauen Himmel mit Sonnenschein, Blümchen, Schmetterlingen… in absoluter Glückseligkeit sitzt.  Denn das ist es ja, was wir auf den meisten Yogabildern sehen – außer es sind akrobatisch anmutende Verrenkungen. Ein Ziel das wir mit Yoga verbinden, ist die Erleuchtung – also das absolute Glück zu finden.

 

Aber was bedeutet diese Erleuchtung überhaupt? Wie kann ich mir das vorstellen und wie komme ich da hin?

Will ich da überhaupt hin? Ich habe diesbezüglich ein paar Yogis, Yogalehrer und langjährige Praktizierende befragt und viele unterschiedliche Antworten bekommen.

 

Die einen sagten, sie würden die Erleuchtung in der Meditation erfahren und sich wie in einer anderen Welt fühlen. Andere meinten es wäre die absolute Stille und das "nichts mehr wollen" und "nichts mehr brauchen", dass sie während der Übung erfahren.

 

Ich war letztes Jahr bei Sivananda in Tirol bei einer Yogalehrer Fortbildung. Ich weiß nicht ob du schon einmal in einem Sivananda Ashram warst, aber es ist ein relativ strikt organisiertes System, dass den Yogi von 6 Uhr früh bis 21:30 abends beschäftigt. Mantrasingen, Guru-Weisheiten, Yoga, Karma Yoga und vieles mehr inklusive. Ich hatte dort eine sehr interessante Diskussion mit einem der Yogalehrer zum Thema Erleuchtung und er meinte, dass es sein absolutes Ziel wäre, ständig erleuchtet zu sein. Auf meine Frage, was er denn dann täte – meinte er: "nichts mehr. Im geistigen Nirvana sein bis zum Tod…" Hmmmm - ich muss ehrlich sagen, dass hat für mich wenig Anziehungskraft – denn was würde ich den Rest des Lebens dann machen? Kann man ständiges Glück überhaupt ertragen? Kann man es dann noch schätzen? Und… was gibt man dann der Gesellschaft oder Gemeinschaft zurück? Ist das nicht das Ziel des spirituellen Lebens? Heißt es nicht "Leben ist geben?"

 

Eine Freundin erzählte mir, dass in ihrer Yogalehrer-Ausbildung ein bekannter Yogi meinte, Erleuchtung wäre wie Kokain – man will diesen Zustand immer wieder… Ist das dann nicht genau die Abhängigkeit von der wir mit Yoga weg wollen? Fragen über Fragen…

 

Da ich dem Konzept des gedanklichen Nirwanas sehr skeptisch gegenüber stehe, habe ich Erleuchtung für mich folgender maßen sehr subjektiv definiert:

Die Erleuchtung besteht in den kleinen Glücksmomenten des Lebens. Die haben wir alle: Wenn nach einem langen Winter die Frühlingssonne scheint und du dein erstes Eis isst. Wenn dein Kind aus vollem Herzen lacht und du gar nicht anders kannst als mit zu lachen. Wenn du am Meer stehst und den Sonnenuntergang beobachtest. Oder wie es eine liebe Freundin beschrieben hat: wenn auf dem Weg zur Arbeit alle Ampeln grün sind.

 

Die kleinen Momente in denen du so viel Glück verspürst, dass du das Gefühl hast dein Herz will vor Freude platzen. Kennst du die? Wann hattest du das letzte Mal so ein Gefühl? Wann hat dein Herz das letzte Mal vor Freude und nicht vor Angst schneller geschlagen? Das sind für mich die Momente, für die es sich zu leben lohnt. Von denen ich mehr haben will. Aber will ich sie ständig? Nein – denn ich will ja auch nicht ständig Eis und Pizza. Aber das Gefühl, dass dieser Moment jetzt so wunderbar ist, dass alles passt, ich alles habe was ich brauche – das ist für mich Erleuchtung. Ob ich Yoga dazu brauche um das zu erreichen? Brauchen nein – aber es hilft sehr dabei. Denn

durch Yoga lernen wir Achtsamkeit und im Moment leben – und nur dann können wir das Glück überhaupt wahrnehmen.

 

Der indische Weise Patanjali hat mit dem Yoga Sutra einen Leitfaden verfasst, der den Yogis bis heut als Richtlinie dient. Als Richtlinie zu einer sicheren und glücklichen Reise durchs Leben.

 

Unter anderem beschreibt er die 8 Stufen des Yoga, die zur Glückseligkeit führen – und unter diesen 8 Stufen sind die Asanas, also die

Körperübungen, die wir aus den Yogastunden kennen nur eine einzige! In diesem Beitrag  gebe ich dir einen kurzen Überblick über die Stufen und in den nächsten Wochen schauen wir sie uns dann Schritt für Schritt an – immer auf unser tägliches Leben heute hier im Westen bezogen, mit Übungen für dich zu Hause, um dem absoluten Glück näher zu kommen 😉.

 

Diese 8 Stufen sind übrigens ein Lebensweg, der nicht in 8 Wochen abgehandelt werden kann. Dies ist also keine Anleitung „in 8 Wochen zur Glückseligkeit“. Es ist ein Prozess und im besten Fall vereint eine Yogastunde alle davon.

 

Die Basis bilden Yama und Niyama, die auf der psychologischen Ebene beginnen. Hier geht es um Richtlinien zum entspannteren

Umgang mit anderen und mit sich selbst. Beide unterteilen sich in 5 Themen –also 10 insgesamt – aber es sind keine 10 Gebote! Solltest du eines verletzen droht dir nicht das ewige Fegefeuer....

 

Stufe 1: Yama beschreibt einen Weg zum besseren Zusammenleben mit deinem Umfeld und der Welt. Dazu gehören:

  • Ahimsa: Gewaltlosigkeit
  • Satya: Wahrhaftigkeit & Ehrlichkeit
  • Asteya: Begierdelosigkeit, Nicht-Stehlen
  • Brahmacarya: richtiges Maß im Handeln
  • Aparigraha: Nicht Anhäufen

 

Stufe 2: Niyama – beschreibt den Weg zu einem bessern Umgang mit dir selbst. Dazu gehören:

  • Shauca: Reinheit
  • Santosha: Zufriedenheit
  • Tapas: stetiges Bemühen, Disziplin
  • Svadhyaya: Selbstreflexion
  • Ishvara Pranidhana: Vertrauen in eine höhere Kraft

 

Stufe 3: Asanas – also die klassischen Yogaübungen

Asana bedeutet auf Sanskrit übrigens „die richtige Hinsetzung“. Wichtige Aspekte der Asanas sind dabei: Stabilität, Aufmerksamkeit und eine gewisse Leichtigkeit. Es ist genauso wichtig wie du in die Position hinein als auch wie du wieder herauskommst. Wenn du zum Beispiel nach längerem Sitzen im Lotossitz die Knie nur mit Schmerzen durchstrecken kannst – ist es nicht die Position für dich – du brauchst eine Variation. Aber mehr zu diesem Thema in dem späteren Blogbeitrag: „Asana“

 

Stufe 4: Pranayama.

Diese kennst du als Atemübungen in der Yogastunde. Prana bedeutet Lebensenergie und somit ist Pranayama die Lenkung und Förderung der Lebensenergie in deinem Körper.

 

Stufe 5 Pratyahara:

Dies bezeichnet man als das "sich nach innen wenden" oder das "Zurückziehen der Sinne". Ich beschreibe es meinen Schülern

gerne damit, dass sie aus dem Kopf, aus dem Denken (aus dem Außen) in den Körper – ins Fühlen (ins Innen) kommen.

 

Stufe 6: Dharana: Konzentration auf eine Sache. Z.B. die Konzentration auf den Atem, eine Übung....

 

Stufe 7: Dhyana: Versenkung: Meditation

 

Stufe 8: Samadhi: Glückseligkeit oder Erleuchtung.

 

Yogastunden, die sich an diesem 8stufigen Weg ausrichten gehören zu Raja Yoga – also dem Königsweg des Yoga und vereinen alle Stufen fließend ineinander.

 

Das wäre also der Weg zur Glückseligkeit….

 

In meinen Yogastunden beginne ich gerne mit Anregungen aus den Yama oder Niyama und es gibt immer eine Aufgabe für die Woche . Dies möchte ich auch in den folgenden Blogbeiträgen beibehalten.

 

Die Aufgabe für diese Woche ist es, einmal genau zu schauen, wie oft empfinde ich Glücksmomente in meinem Leben? Was sind die? Versuche abends 3 Dinge aufzuschreiben, die dich an dem Tag glücklich gemacht oder zumindest zum Lächeln gebracht haben. Wenn du keine findest – frag dich warum. Was könntet du ändern um kleine Glücksmomente in deinem Leben zu haben. Und bedenke es geht nicht um das riesengroße Glück. Einer meiner Glücksmomente heute war zum Beispiel eine Wanderung mit Christine, einer lieben Freundin durch den Wald bei dem der Gesang der Vögel unglaublich laut war.

 

Falls du Lust hast mir deine Glücksmomente zu mitzuteilen, freue ich mich! Schreib mir doch ein Kommentar, eine Nachricht oder kontaktiere mich  über Facebook.

 

Ich wünsche dir viele kleine Erleuchtungen diese Woche und freue mich schon, wenn wir das nächste Mal über Ahimsa, Gewaltlosigkeit sprechen. Und ich kann dir schon jetzt verraten, dass die Aufgabe zu Ahimsa bei vielen meiner Schüler zum Umdenken geführt hat.

 

Alles Liebe, Namaste

Angelika

Karmaqueen in spe