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Bleib geschmeidig - Yoga & Flexibilität

 

Flexibilität im Yoga hat weniger damit zu tun, den Fuß hinter den Kopf zu bekommen, sondern vielmehr mit der Fähigkeit loszulassen, eine neue Perspektive einzunehmen und neue Denk- und Haltungsmuster zu erlernen.

 

Eine Übungsanleitung für mehr Flexibilität in deinem Leben.

 

 

Den Beitrag gibt es wie immer zum Hören & Lesen!

Eine der ersten Reaktionen die ich bekomme, wenn ich sage, dass ich Yoga unterrichte ist: "Ohje… ich bin so unbeweglich…". Das ist keine Übertreibung: in 8 von 10 Fällen, unabhängig ob Mann oder Frau ist das die erste Reaktion. Somit scheinen die meisten Menschen eine fixe Verbindung im Kopf zu haben: Yoga = beweglich.

 

Früher habe ich meistens gesagt: "aber das macht ja gar nichts, für Yoga muss man nicht beweglich sein…. das übst du ja dort…" Heute

denke ich mir oft "… hmmm das stimmt eigentlich nur bedingt".  Warum? Das erzähle ich dir in diesem Beitrag.

 

Wenn du die Worte „Yoga“ und „Flexibilität“ hörst, welche Gedanken hast du, welche Bilder siehst du? Vielleicht einen biegsamen Inder, der den Fuß hinter den Kopf legen kann? Eine schlanke, wunderschöne Frau die sich im Spagat wohlzufühlen scheint? Oder Bilder von Yogis die sich so verbiegen, dass du dich fragst wie sie da jemals wieder rauskommen?

 

Keine Sorge – ging mir genau so. Und Mal so ganz unter uns, trotz 20jähriger Yogapraxis und vielen Jahren als Yogalehrer kann ich nichts von dem oben genannten… Und weißt du was? Es ist für die Flexibilität im Yoga völlig unerheblich.

 

Flexibilität im Yoga bedeutet „loslassen“, „neue Perspektiven einnehmen“, „neue Denkmuster erlernen“ , „beweglich und im Fluss sein“ und dabei „du selbst bleiben“.

Flexibilität und Körperhaltung

Diese Flexibilität kann man oft an der Körperhaltung und der Wirbelsäule der Menschen ablesen. Wie sieht es bei dir aus? Ist deine Wirbelsäule starr, steif und verspannt? Oder kann sie sich flexibel dem Auf- und Ab in deinem Leben anpassen? Bist du biegsam und beweglich wenn dich die Stürme des Lebens treffen oder verharrst du starr auf deinem Standpunkt? Ich stelle dir diese Fragen ohne Wertung – es geht einfach nur darum wahrzunehmen was ist.

 

Vielleicht wachst du morgens steif auf und brauchst ein wenig bis du in Schwung kommst? Das ist gar nicht ungewöhnlich, da bei vielen Menschen der Körper oft erst über den Tag geschmeidiger wird. Ich merke bei mir selbst einen großen Unterschied in der körperlichen Beweglichkeit zwischen meinen Stunden um 7:00 Uhr früh und 19:00 Uhr. Und ich merke auch einen sehr großen Unterschied zwischen dem ersten Sonnengruß des Tages und dem letzten. Unbeweglichkeit ist somit oft nur eine Frage der Tageszeit ;) 

Körperliche Ebene: AchtsamkeitsÜbung

Flexibilität im Yoga kann man auf zwei Ebenen sehen:

Auf der körperlichen Ebene geht es unter anderem darum verkürzte Muskeln beweglicher zu machen, um dadurch mehr Bewegungs-Spielraum im Alltag zu haben. Vielleicht bist du Läufer mit verkürzter Oberschenkelmuskulatur oder du hast dir im Fitness Center große Muskelpakete antrainiert und kannst, wenn du dich vorbeugst, nicht weiter als zu deiner Wade reichen. Vielleicht sitzt du in deinen Alltag einfach viel und merkst Verkürzungen im Schulterbereich, Rücken und in den Beinen und die damit verbundenen Verspannungen und Schmerzen. Auch das Tragen der Handtasche immer auf einer Schulter führt zu Fehlhaltungen und Verspannungen. Oft hilft es schon, sich hin und wieder der eigenen Bewegungsmuster bewusst zu werden.

 

Versuche doch in den nächsten Tagen folgende Achtsamkeitsübung:

Halte mehrmals am Tag kurz inne und betrachte deine Körperhaltung. Zum Beispiel im Büro: Stell dir einen Alarm am Handy zur Erinnerung. Wenn dieser Alarm losgeht, achte ganz genau darauf, welche Haltung du gerade einnimmst. Schiebst du deinen Kopf vielleicht ein wenig nach vorne? Machst du einen runden Rücken? Sitzt du gerade oder schief zu einer Seite?

Wenn du an einer Ampel stehst oder auf die U-Bahn wartest, spüre deinen Körper: Stehst du aufrecht da oder schlaff? Verlagerst du dein Gewicht auf eine Seite? Wo trägst du deine Handtasche?

Indem wir uns immer wieder kurz Zeit nehmen um auf unsere Haltung zu achten, werden uns Fehlhaltungen bewusst. Fehlhaltungen führen häufig zu Verspannungen und als Folge zu Verkürzungen, Verschleißerscheinungen und Schmerzen. Wenn dir auffällt, dass du gerade in ein ungesundes Haltungsmuster verfällst – korrigiere es! Richte dich auf, strecke deine Wirbelsäule, bewege dich ein wenig.

Durch diese Übung fällt dir vielleicht auch erst auf, dass dein Körper gerade ein wenig Bewegung brauchen könnte. Das muss nicht viel sein. Kleine Mobilisierungs- und Dehnungsübungen wirken meist Wunder. Ich ertappe mich selbst oft dabei, dass ich lange konzentriert am Computer sitze und erst wenn ich bewusst darauf achte, spüre ich die Verspannung die sich aufgebaut hat.

 

Beginne auch damit die Menschen in deiner Umgebung zu beobachten. Mein U-Bahn Unterhaltungsprogramm besteht darin, die Körperhaltung der Mitreisenden zu beobachten und mir zu überlegen, wo sie wohl Verspannungen und körperliche Probleme haben könnten…

Versuche auch hin und wieder, wenn du an einem Schaufenster vorbeigehst, dich von der Seite im Fenster zu betrachten. Oft sieht man erst aus dieser Perspektive, dass man ein wenig bucklig geht. Korrigiere es. Richte dich wieder in eine stolze und aufrechte Haltung auf.

Aber eines nicht missverstehen: es geht nicht darum, dass du den ganzen Tag mit ganz geradem Rücken auf deinem Sessel sitzt – die Abwechslung macht es. Es ist für unsere Wirbelsäule absolut ok, manchmal ein wenig entspannt zu sitzen. Problematisch wird es nur, wenn die zusammengesunkene Haltung zur Gewohnheit wird, denn dann sind wir körperlich nicht mehr in Balance.

YIn Yoga

Aber zurück zu Yoga und Flexibilität:

nicht alle Yoga-Übungen sind dazu geeignet die Flexibilität & Beweglichkeit zu fördern – viele Asanas sind eher kräftigend und anregend. Eine Möglichkeit, die Yogapraxis konkret auf Flexibilität und Dehnbarkeit auszurichten, ist eine Einheit in Yin Yoga zu besuchen. Du kennst sicher das Konzept von Yin und Yang – auf Yoga angewandt, ist die Yang-Praxis eher die aktive, belebende und Yin-Praxis beruhigend, lösend.

 

Im YIN YOGA werden Asanas mindestens 3 Minuten gehalten, oft sehr viel länger, welches es den Muskeln erst ermöglicht loszulassen. Um dies zu unterstützen werden, wenn benötigt, auch Hilfsmittel eingesetzt. Yin Yoga wirkt besonders auf die Faszien – also auf das Bindegewebe. Es ist ruhig und geht in die Tiefe und hält den Yogi dazu an sanft mit dem Körper umgehen, die Dehnung entstehen lassen – nicht zu erzwingen. Das ist gleichzeitig die große Herausforderung… Ich sehe oft in Yogastunden wie Schüler versuchen, sich in die Vorbeuge hineinzuziehen – und mit der Anleitung „nicht ziehen sondern loslassen“ nicht viel anfangen können. Wir sind es nicht gewohnt Dinge einfachentstehen zu lassen, dem Körper Zeit zu geben loszulassen. Das war (und ist manchmal immer noch) auch für mich im Yoga ein große Herausforderung – ich erinnere mich an meine ersten sitzenden Vorbeugen, bei denen der Oberkörper so weit von den Oberschenkeln entfernt war, dass ich es für unmöglich gehalten habe, jemals nach unten zu kommen. Doch mit Geduld und konstanter Übung ist es irgendwann gelungen ;).

Geistige Ebene

Die zweite Ebene der Flexibilität liegt in unserem Denken.

Flexibilität bedeutet Anpassungsfähigkeit - die Fähigkeit auf unterschiedliche Situationen und auch Personen passend reagieren zu können. Dies kannst du mit vielen kleinen Übungen im Alltag lernen. Zum einen kannst du beginnen deine Vorurteile und Bewertungen zu hinterfragen. Es gibt den Spruch „Wir sehen die Welt nicht wie sie ist – wir sehen die Welt wie wir sind“. Gelingt es dir die Welt auch einmal aus einer anderen Sichtweise zu betrachten? Vielleicht durch die Augen einer anderen Person? Gelingt es dir, unterschiedlichen Menschentypen auf Augenhöhe zu begegnen - ohne dich verstellen zu müssen und du selbst zu bleiben? Kannst du die Meinung anderer Menschen akzeptieren auch wenn sie dir nicht gefällt? Triffst du oft Menschen mit anderer Meinung?

 

Wir neigen leicht dazu uns in einer Blase der Gleichgesinnten zu bewegen. In meinem Umfeld befinden sich hauptsächlich sehr aufgeschlossene, weltoffene Menschen, die auch gegenüber spirituellen Gedanken offen sind. Wenn ich dann hin und wieder auf Menschen treffe, die das für Unfug und Naivität halten, fällt es mir oft nicht leicht nicht in Verteidigungshaltung zu gehen. Aber in Wirklichkeit hat ihre Meinung mit meinem Leben ja nichts zu tun. Ich versuche mir dann zu überlegen, warum sie dies denken. Warum sie meine Lebensweise ablehnen und meistens komme ich zum Ergebnis: „ich versteh dich. Ich muss es nicht mögen, aber ist ok“.

3 Wege für mehr Flexibilität in deinem Leben

Wenn du in deinem Leben also mehr Flexibilität haben möchtest, beginne mit einer Übung die dir liegt. Vielleicht sind es ein paar

Yoga-Übungen: Katze/Kuh für die Flexibilität der Wirbelsäule; herabschauender Hund um Bein- Arm- und Schultermuskulatur zu dehnen, der Drehsitz, Schmetterling, das Krokodil,…

 

Vielleicht beginnst du auf der geistigen Ebene und stellst dir eine Aufgabe pro Woche, wie zum Beispiel deine Vorurteile und

Kategorisierungen zu beobachten. Oder du übst die Wechselatmung und spürst die Flexibilität des Einatmens rechts und links.

 

Was auch immer du tust: mehr Flexibilität im Leben führt auf der körperlichen Ebene zu geringeren Verspannungen, geschmeidigen Muskeln, einer besseren Körperhaltung und zu einer Verringerung des Verletzungsrisikos. Auf geistiger Ebene wird es dir leichter fallen, dich auf neue Gegebenheiten und anderen Menschen einzustellen.

 

Du hast jetzt Lust auf mehr Flexibilität bekommen? Dann schau dir einmal den Workshop „Flexibilität“ aus der Workshop Reihe „Von Drama zu Karma" an - vielleicht ist das ja etwas für dich! Der nächste Termin ist am 28.4.2018.

 

Bis bald! Alles Liebe & Namasté

Angelika

Karma Queen in spe